上海铁路博物馆 – Eisenbahnmuseum Shanghai

Für den, der sich fragt, wie ich denn nun in das Reich der Mitte gekommen bin, drängt sich natürlich die Antwort ‚mit dem Flugzeug‘ regelrecht auf. Eigentlich weiß ich es selbst nicht so recht. Wahrscheinlich habe ich einfach zu viel Fernsehen bzw. James Bond gesehen. Die Reise führte mich über Singapur und Hong Kong nach Shanghai (alles JB Handlungsplätze). Und wie der Zufall es so will, haben die drei Städte zumindest ein Highlight, mit dem ich hier Punkten könnte. Singapur verfügt über eine Monorail System Alweg, Hong Kong über die HK Tramways und Shanghai den Transrapid, schnelle Züge und ja, eben das Eisenbahnmuseum. Ich glaube, ich muss hier mal danke sagen, an Emirates die mich sicher über 30.000 km geflogen haben (der A380 ist Spitze), an das Büro Frankfurt der Fluggesellschaft, das mich professionell durch alle Unwägbarkeiten gebracht hat. Danke auch an Jetstar Asia, die zwar meine Reise ein wenig gestört haben, aber mir gezeigt haben, wie man mit Problemen umgehen kann. Danke für die Hilfe und Betreuung, erklärt doch mal der Lufthansa wie Service geht… und zum Schluss auch der Dank an alle IHG Hotels, die ich besucht habe, vor allem an das Intercontinental Hotel Hong Kong, das sich, im Rahmen der Möglichkeiten, als sehr kulant erwiesen hat. Das Schönste war aber Shanghai Ruijin!

Shanghai / Shanghai Metro

Shanghai ist eine Stadt der Superlative. 23 Millionen Einwohner tummeln sich in der Region, der größte (nach Waren- bzw. Containerumschlag) Hafen der Welt hat hier seinen Standort und auch das Metro System kann sich sehen lassen. Keine Angst übrigens vor chinesischen Schriftzeichen, Stationen und Übersichtsplan habe zumindest wie ich gesehen haben, auch englische Übersetzungen. Man findet auf jeden Bahnhof einen Mitarbeiter der Day-Pass versteht und einem auch verkaufen kann. (da doch recht günstig, sehr zu empfehlen) Obwohl bei der Eröffnung 1993 lediglich 4,4 km in Betrieb genommen wurden, hat man es geschafft bis Anfang 2018 das Netz auf sage und schreibe 637 km anwachsen zu lassen! Ende noch nicht in Sicht, Plan 970 km! Unglaublich…in meiner Heimatstadt Berlin benötigt man ‚planmäßig‘ 10 Jahre für 2,2 km und feiert sich gewaltig. Aber gut, Berlin ist halt Berlin und wir haben ja keinen Transrapid!

Auslaufmodell Transrapid – Shanghai Maglev Train 

Shanghai schon. Doch in welchen Zustand. Die Strecke wird immer noch als Teststrecke betrieben, die Höchstgeschwindigkeit von 400 km/h wird nur noch bei wenigen Fahrten planmäßig erreicht, die meisten ’schleichen‘ mit 300 über die doch schon recht vernachlässigte Strecke. Vom Fahrpreis einmal abgesehen, der mit 6,40 € in der Standard und als VIP Ticket für 12,85 € in der ersten Klasse nicht gerade günstig daher kommt, ist der Bahnhof am Flughafen erst nach einem längeren Fußweg zu erreichen und die Endstation auch nicht gerade in der City zu finden. Es ist ganz klar, das der Transrapid auch in China keine Zukunft hat.

中國高速鐵路 – China Railway High Speed CRH

Das mag auch daran liegen, das sich auch das Eisenbahnnetz rasant entwickelt hat. So man Bücher aus den 80igern zur Hand nimmt, wird China noch als Dampflok Paradies angepriesen. 35 Jahre später durchzieht ein Hochgeschwindigkeitsnetz das Land. Neue, für unser Verhältnis riesige Bahnhöfe bilden den Grundstock der Mobilität. Doch im Gegensatz zum Ablauf der Zugreise in unseren Gefilden, beginnt in China die Reise am Bahnhofseingang. Hier werden die Fahrkarten das erste Mal kontrolliert und mit dem Ausweis abgeglichen, gleichzeitig wird die Tasche durchleuchtet. (Ist auch in der Metro so) Jetzt könnte man das als gesteigertes Sicherheitsbedürfnis sehen, aber nur weil bei uns noch nichts passiert ist, heißt das ja nicht, das nichts passieren kann. Einzig die Identitätskontrolle scheint noch ein Relikt aus der Zeit zu sein, als man in China noch nicht frei reisen durfte. Man hat sowieso das Gefühl, das sich diese Maßnahmen sich eher gegen die eigenen Leute richtet, als gegen die Fremden. Was ich nicht raus bekommen habe ist, ob die einheimische Bevölkerung den gleichen Preis bezahlt wie ein Ausländer. Für die Reise von Shanghai nach Peking (1.320 km) werden hier in der 2. Klasse 72 €, in der 1. Klasse 120 € und in der Business 225 € fällig. Vom Reisekomfort sollte man die Business Klasse wählen. Auch die 1. Klasse geht noch, aber nach rund 4:30 h ist auch dieser Sitz hart. Buchen kann man die Fahrkarten aber recht einfach im Netz. Dann holt man die richtigen Tickets einfach am Schalter ab, oder lässt sie sich ins Hotel schicken. Das funktioniert!

Bahnhöfe!

Die Bahnhöfe selber, funktionieren ein wenig anders als bei uns. Drei Ebenen erwarten den Reisenden auf den großen neuen Bahnhöfen. Der Abfahrtswartebereich, die Gleisebene und der Ankunftsbereich. Die abfahrenden und die ankommenden Fahrgastströme berühren sich also nicht. Die Kontrolle der Fahrkarten erfolgt entsprechend der Wagennummer im Abfahrtsbereich. Bevor die Kontrolle beginnt, macht der Chef des Abfertigungspersonal noch eine Ansage bezüglich Zug und Ziel, wünscht dann eine gute Reise, natürlich mit einer ansprechenden Verbeugung. Das wirkt auf einen Ausländer erst einmal befremdlich bis lustig, ist aber doch Ausdruck von Höflichkeit. Ich erinnere hier nur an den Satz ‚tänk ju vor träffel wit’h‘ deutsche Bahn‘! Ja nun, die Bahnsteige und die Züge natürlich auch sauber. Im Abteil wird noch einmal darauf hingewiesen, das dieser Zug komplett in China gefertigt wurde. Das freut uns.

High Speed

Siemens sicherlich nicht ganz so, aber deren Züge stehen auf den Nachbargleisen. Los geht es. Nur um es noch einmal deutlich zu sagen, die Strecke Shanghai – Peking ist 1.320 km lang und wird von den Expresszügen in 4:30 h bewältigt. 1.320 km ist ungefähr der Weg von Berlin nach Rom (Gleise). Die 2011 eröffnete Strecke ist für 380 km/h ausgelegt. Tatsächlich schaffen die eingesetzten Fahrzeuge wohl 350, gefahren wurde in meinem Fall 342 km/h. Das ist schon was mehr als der Transrapid, aber vor allem ist die Fahrt im Zug deutlich ruhiger.

So man den Zug verlassen hat, kommt es zu einem interessanten Phänomen, es gibt nicht genügend Rolltreppen nach unten und da mein Zug recht voll entsteht ein Stau. Soweit kenne ich das ja auch aus Deutschland, aber es wird nicht gedrängelt oder geschimpft, sondern die Wartezeit für eine Zigarette genutzt und das, das gefällt mir. Ich lerne schnell von den Einheimischen. Endlich unten, hindert noch eine weitere Fahrkartenkontrolle am durchschreiten der Barriere. Doch der Ansturm der Menschen lässt die Kontrolle natürlich zur Farce werden. Noch ein Wort zu den (angeblich) 45.000 Taxis in Shanghai. Schnell merkt man, warum wir uns so um China bemühen. Jedes Taxi ein Volkswagen/Skoda (aber ja, es gibt Ausnahmen). Wer mehr über die Chinesische Eisenbahn wissen will, der findet hier einen Link. Wer das genau liest, findet dort eine Zahl, die ich stark bezweifeln möchte. So hätten die Strecke Shanghai – Peking 2018 533.000 Reisende täglich benutzt. Es verkehren heute insgesamt 98 Züge. Die High Speed 16teiligen Züge CRH380A fassen rund 1.100 Passagiere. (wären 107.800 pro Tag) Selbst wenn die Züge in Doppeltraktion fahren würden, hätten wir nicht einmal die Hälfte der angegebenen Zahl. Naja…

Die City

Shanghai ist eine Stadt der Gegensätze, die man natürlich bei einem kurzen Besuch nur unzureichend erfassen kann. Aber trotzdem kann man eine Menge sehen. Neu steht neben alt, Neureich neben arm! Das Highlight ist der THE BUND. Hier finden sich auf der einen Flussseite die Bauten aus der Kolonialzeit, auf der anderen die modernen Hochhäuser. Das ist recht beeindruckend anzusehen und das nicht nur am Tag, sondern auch des Nachts. Meine Freude an der Architektur teile ich auf der Promenade mit doch recht vielen Menschen. Es wird geschlendert, fotografiert oder einfach nur gekuckt.

外滩观光隧道 – Bund Sightseeing Tunnel

Für Leute, die das Spektakel von beiden Flussufern begutachten wollen, gibt es zwei Möglichkeiten den Fluss zu queren. Zum ersten kann man zur Metro zurück schlendern oder man nutzt (für etwas mehr Geld) den ‚Bund Sightseeing Tunnel‘. Die Kabinenbahn ist recht interessant. Die Lichtshow…naja. Aber man ist recht schnell und bequem auf der anderen Seite.

Das Museum – der Name

Genug der Einleitung. Kommen wir zurück zum eigentlichen Thema. Wobei ich nochmal auf den Namen zurückkommen möchte. Ich habe hier leichtfertig den Namen Eisenbahnmuseum Shanghai geprägt. So man die chinesischen Schrift richtig deutet (上海铁路博物馆), sollte eigentlich vom Shanghai (上海) Eisenbahnmuseum (铁路博物馆) die Rede sein. Im Englischen kann man das ja auch so machen… ‚Shanghai Railway Museum‘ hört sich ja nicht so schlecht an, aber im deutschen empfinde ich das nun eher als Zungenbrecher und so habe ich mich für den wohlklingenderen Namen Eisenbahnmuseum Shanghai entschieden!

Das Museum siedelt auf dem Gelände des bis 1987 in Betrieb gewesenen Shanghaier Nordbahnhofs. An seiner Stelle wurde das Originalgebäude der Shanghai-Nanjing-Bahn (Huning Railway) aus dem Jahr 1909 wieder aufgebaut. Das Gebäude selbst ist charakteristisch für den britischem Architekturstil der Kolonialzeit. Das Museum öffnete 2004 anlässlich des 55jährigen bestehen der Shanghaier Eisenbahnverwaltung. Es stehen rund 1.000 m² im Innen- und 1.300 m² im Außenbereich für das Eisenbahnmuseum zur Verfügung. Groß ist es also nicht, doch hat man Inhaltlich einen guten Überblick über die 100jährige Geschichte der chinesischen Eisenbahn, insbesondere der Bereiche Shanghai und Ostchina.

  • Öffnungszeiten:
    • Dienstag – Samstag
    • 10:00-11:30 Uhr und 14:00 – 16:30 Uhr
  • Adresse:
    • 200 Tianmu E Rd, Zhabei Qu, Shanghai, China
    • 上海市闸北区天目东路200号
  • Website offiziell ist gesperrt!

Rundgang 上海铁路博物馆 – Eisenbahnmuseum Shanghai

Auch wenn nur ein Türchen offen scheint und finstere Wachleute in Ihrem Wachhäuschen lauern, nur zu, das Museum ist offen. Die Wachleute sind auch auf den Besuch von Nichtchinesen eingerichtet, zeigen sie doch einen Geldschein in Höhe des Eintrittsgeldes hoch und die Sache ist für alle verständlich geklärt Auf dem Hof, fallen zwar sofort zwei Lokomotiven ins Auge, doch sollte man erst einmal die gesamte Szenerie in Augenschein nehmen. Da haben die Chinesen also für ein kleines Museum mal eben einen alten Bahnhof wiederaufgebaut. Das beeindruckt sogar mich. Wir dürfen an dieser Stelle auch nicht vergessen, das das hier nicht das nationale Eisenbahnmuseum ist, das ist in Peking, sondern es sich ’nur‘ um ein regionales Museum handelt! Ich würde auch sagen, das sich die Gestaltung des Vorplatzes oder Außengeländes, wenn man will, am Original orientiert ist. Bei den originalen Lokomotive handelt es sich einmal um die KD7-641, eine in den 40iger Jahren in den USA gebaute Maschine, die als Wirtschaftshilfe ins Land kam und eine SN-26, die auf den Schmalspurbahnen der Provinz Yunnan eingesetzt wurde. Der Salonwagen wurde von Regierungsbeamten und angeblich von Madame Chiang Kai-shek benutzt. (Ich dachte über Chiang Kai-shek wird in China kein Wort verloren, naja, so kann man sich täuschen)

Drinnen

Gehen wir mal rein! Der Zugang zu den Bahnsteigen war wohl in früheren Zeiten eine Etage höher (habe ich zumindest gelesen) Es gibt zumindest den Plan, das Museum in die erste Etage zu erweitern. Bis jetzt hat sich da aber noch nichts getan. Also bleiben wir unten und schauen uns um. Das Museum gliedert sich in 6 Bereiche, oder Räume, wenn man das so sagen will. Doch schon im ersten Raum, vor dem ersten Display bin ich mit meinem Chinesisch am Ende. Eigentlich, denn erst wenn man genauer hinsieht, stellt man fest, das die Displayüberschriften doch einen englischen Hinweis darauf geben, um was es geht. Der Rest ist chinesisch. Wobei das aber kein Vorwurf ist, es ist eben ein chinesisches Museum gemacht für die einheimische Bevölkerung, die an diesem Mittwoch Vormittag sogar einige Vertreter entsannt hatte… Bin also nicht allein! Jetzt könnte man natürlich einen elektronischen Übersetzer bemühen, aber das ist mir dann auch wieder zu anstrengend. Also lasse ich mich allein von den Bildern inspirieren! Und die finden wir in diesem Bereich zahlreich. Thema, Geschichte der Eisenbahnen im Umland. Jedes Display thematisiert eine eigene Bahn! Interessant gemacht, wenn ich es denn doch lesen könnte. Aber das Highlight ist die Replik der ersten chinesischen Lokomotive aus dem Jahr 1876, gebaut für die Wusong Railway. Diese verband Schanghai mit dem Tiefseehafen Wusong.

Krieg und Aufbruch

Bevor die Displays die großen Infrastrukturprojekte der Nachkriegszeit zeigen, wird ausführlich auf den chinesisch – japanischen Krieg 1937-45 eingegangen. Ich hatte zwar von diesem Krieg schon gehört, aber das es dort solche Zerstörungen gab, war mir nicht bewusst. Ein anderer Bereich widmet sich den Fährschiffen der chinesischen Eisenbahn. Die gewaltigen Brücken die nötig waren, die großen breiten Flüsse Chinas zu überwinden, wurden erst spät gebaut. Der Ausstellung folgend, finden wir nun allerlei Dinge, die den allgemeinen Eisenbahnbetrieb betreffen, fehlen dürfen auch die Auszeichnungen nicht, auf die man besonders stolz ist.

Neue Ära

Ein weiterer Bereich beschäftigt sich mit dem Wachstum nach der Öffnung des Landes Ende der 70iger Jahre. Erst hier begann der Ausbau des Eisenbahnwesens zu dem, was es heute darstellt. Auch wenn die Zeiten des Dampflokbetriebes bis 2005 anhielten, hat man es doch geschafft, in den letzten 40 Jahren aus einem vernachlässigten Betrieb eine hypermodere Eisenbahn zu formen. Und darauf kann das Land stolz sein!

Fazit

Mir hat China, Schanghai und das Eisenbahnmuseum gefallen. Sicherlich erreicht es nicht die Dimension des Nationalen Eisenbahnmuseum in Peking. Aber das ist auch nicht gewollt. Erstaunlich für mich ist, wie viel Geld hier investiert wurde, um dem breiten Publikum einen Einblick in die Geschichte der Eisenbahn zu geben. Ja, es wurde extra die Replik eines Bahnhofsgebäude hergestellt um ein passendes Umfeld zu schaffen. Sicherlich kann ich jetzt nicht sagen, das Museum muss man unbedingt sehen, aber wenn man in der Nähe ist, kann und sollte man einen Besuch zumindest in Erwägung ziehen.

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