SCHWEIZ – Die (vergessenen) Jura Bahnen

Chemins de fer du Jura, die vergessenen Jura Bahnen? Jura was? Das genau ist das Problem. Wenn man an die Schweiz denkt, fällt einem nicht als erstes das(?) Jura ein. Ich glaube, Jura ist für die Restschweiz, was für den Berliner die Uckermark ist…ganz nett, aber man möchte da nicht Tod über den Zaun hängen. Nichtsdestotrotz verbergen sich da im Wald interessante Landschaften und Menschen (vielleicht, die sprechen alle französisch und ich nicht…). Das Jura selbst ist ein Gebirgszug nördlich der Alpen im Grenzland zwischen Schweiz und Frankreich. Weitere Informationen hier!

Ich habe heute mal folgende Strecken zusammengefasst:

  • Chemins de fer du Jura
    • Tavannes – Le Noirmont
    • La Chaux-de-Fonds – Glovelier
    • La Chaux-de-Fonts – Les Ponts-de-Martel
  • Compagnie du Chemin de fer Régional des Brenets
    • Le Locle – Les Brenets
  • Chemin de fer Yverdon–Ste-Croix
    • Yverdon-les-Bains – Ste-Croix VD

Warum heut so viele Strecken auf einmal? Nun, es gibt einfach nicht genug über die einzelnen Strecken zu berichten. Aber, schaun wir mal…

Ausgangspunkt war in diesem Fall Biel. Auch möglich wäre bestimmt Bern oder Neuchatel (Neuenburg). Biel selbst ist eine sehenswerte Stadt mit einer Besonderheit. Hier befindet sich die Sprachgrenze der Schweiz, südlich, westlich französisch, nördlich deutsch! In der Stadt, man kann es sich nicht vorstellen, Sprachwirrwarr…!

Die Chemins de fer du Jura (Was nichts weiter heißt, als „Jura Bahnen“…dafür reicht mein Französisch) ist der Zusammenschluss von drei Bahnen… Erstes Teilstück von Travannes nach Le Noirmont!

Strecke Tavannes – Le Noirmont

Von Biel ist man recht schnell (einmal umsteigen) in Tavannes. Sofort denkt man über das Wort Provinz nach und ob es genau an diesem Punkt entstanden ist… Ein schönes Bahnhofshotel ist zwar vorhanden, sieht aber geschlossen aus. Weiter ins ‚Städtchen‘ will ich gar nicht gehen. Mein Zug steht schon da, aber noch nicht offen. Direkt daneben steht ein Bank die nach mir zu rufen scheint. Gott ja, schon sitze ich entspannt in der Sonne und lasse alles auf mich zu kommen. Ich scheine einen derart entspannten Eindruck zu machen, das nach fünf Minuten ein Herr vor mir steht, der mich offenbar für den Lokführer (heißen die in der Schweiz überhaupt so) hält. (Wahrscheinlich weil ich so tiefenentspannt da saß!) Nachdem wir uns auf eine Sprache geeinigt haben, wird ein Schwätzchen gehalten, über dies, über das…über Müllzüge(!) und dann geht der Mann zu seinem Camper und fährt weiter. Aus den Augenwinkeln sehe ich den Lokführer, der nach einem (vielleicht) ausgiebigen Frühstück im Bahnhofsbistro langsam heran schlendert.

Einsteigen bitte! Erstaunlicher Weise bin ich nicht einmal der Einzige! Dann geht es los…erst langsam, bis wir den Bahnhof verlassen haben, doch dann wird schnell klar, das der Lokführer echt Spaß an der Strecke hat…im wilden Ritt geht es nach links, nach rechts, den Berg rauf und den Berg runter… Die Strecke selbst ist nicht ganz so spektakulär. Aber eigentlich ist das auch das Interessante. Es geht gut 300m nach oben, ohne das man es merkt… Man sitzt, schaut aus dem Fenster, sieht Wiesen, sieht Felder… Klar hält der Zug auch. Mal steigt einer ein, dann steigt einer aus…stehen muss niemand. Nach 40 Minuten ist die Fahrt vorbei, es heißt umsteigen. Die nächste Strecke wartet.

Strecke Le Locle – Les Brenets

Ein Stück fahren muss ich schon, um zu der nächsten Strecke zu gelangen. Das Städtchen La Chaux-de-Fonds muss ich erst einmal links liegen, dafür bleibt später Zeit. Mit der Regionalbahn gehts weiter Richtung Westen zu letzten Bahnhof vor der französischen Grenze. Hier wartet ganz was Schönes…die Compagnie du Chemin de fer Régional des Brenets!

Die nur 4,2 km lange Strecke geht eigentlich nur über (durch) einen Berg. Eigentlich war die Strecke als Teile einer Verbindung zwischen Paris und Bern geplant. Tja…vom großen Traum ist leider nur ein alter Triebwagen, ein wahrscheinlich noch älterer Lokführer und ein Dackel geblieben. Aber die Strecke lohnt sich, durch Wald und Tunnel ist die Fahrt. Nach 7 min ist die Fahrt leider schon vorbei. Nach einer kurzen Pause, gehts gleich wieder zurück. Keine Zeit für einen Dorfrundgang… (Leider, ich mag die Provinz immer mehr) Auch Le Locle kann nicht besichtigt werden, heute ist Fahrtag! Schnell bin ich zurück in La Chaux-de-Fonds.

Strecke La Chaux-de-Fonts – Les Ponts-de-Martel

Weiter geht es wieder auf der Chemins de fer du Jura. Der Zug wartet schon. Auch hier braucht man keine Platzkarte…Mag an dem schönen Wetter liegen…oder an der Tageszeit (man ist auf dem Feld oder schraubt an Uhren) oder oder oder… (kurzzeitig hatte ich auch den Verdacht, das die Leute mit dem Pferd unterwegs sind…aber die dicken Range Rover, die uns überholten, sagten etwas anders) Wie dem auch sei, die Strecke wird auch nicht in Liste der spektakulärsten Bahnen hinzu halten. Nur ein Berg und dann geht es im Tal quer über das Feld, weiter und weiter über das Feld. Aber…hier sieht man aber sehr schön, was die Menschen hier so machen…also was die früher so gemacht haben…im Sommer Landwirtschaft und im Winter Uhren zusammengeschraubt. Nun, Uhren werden hier im Wald immer noch gefertigt und das nicht nur im Winter… Aber das ist eine andere Geschichte! Gut, die Endstation ist zwar nicht das Ende der Welt…aber…nur gut das es gleich wieder zurück geht!

Jetzt bleibt doch ein wenig Zeit für La Chaux-de-Fonds. Die Kleinstadt, bei der es sich um die höchstgelegene Stadt Europas handeln soll (rund 1.000m), ist (war) eines der Zentren der Schweizer Uhrenindustrie. Eine Besonderheit ist der schachbrettartige Grundriss, der nach einem Feuer Ende des 18. Jahrhunderts gewählt wurde. Dies und einige sehenswerte Jugendstilbauten haben der Stadt einen Platz auf der UNESCO Welterbeliste eingebracht. Nun, ich habe nicht ganz soviel Zeit investieren können, aber zumindest die Hauptstraßen sind sehenswert (zumal bei diesem Traumwetter) Wenn man jedoch ein wenig ins Schachbrett eintaucht…naja…! Der Bahnhof ist für eine 38.000 Seelengemeinde vergleichsweise groß und ein wenig zu repräsentativ. Warum? Wer weiß? Keine Zeit!

Strecke La Chaux-de-Fonds – Glovelier

Weiter geht’s auf der eigentlichen Hauptstrecke der Chemins de fer du Jura. Auch diese gut 50 km lange Strecke ist ein Zusammenschluss von zwei Bahnen. Wobei der zweite Teil von Saignelégier nach Glovelier bis in die 50iger Jahre eine Spurweite von 1.435mm (Normalspur) aufwies. Schön, ich habe zwar einen hervorragenden Platz ergattert, gleich hinter dem Fahrer, aber die Sicht versperrt mir ein Mitfahrer im Führerstand. Naja…das eine oder andere Bild kann ich dennoch machen. In der Stadt teilt sich die Bahn mit dem Autoverkehr die Straße. Schön (?) zu sehen, dass es hier die gleichen Probleme gibt wie überall, mit der Situation überforderte Autofahrer… Aber zumindest der Lokführer hat die Sache voll im Griff.

Weiter geht es über die Jura Hochebenen, über Felder und durch Wälder…jedem Berg ausweichend. Schön zu wissen, dass es hier auch Sonderfahrten gibt, so mit Dampflok und Überfall durch Cowboys (sic!). Schaust Du hier! Scheint recht erfolgreich zu sein…und vielleicht ein großer Spaß. Gut, heute gehts mit Strom weiter. Aus den Augenwinkeln sehe ich gerade ein kleines Eisenbahnmuseum (in Pre-Petitjean), aber schon ist es vorbei… Langsam wird es bergiger, felsiger, interessanter… Tunnel… 350° Wenden…und mitten im Wald…eine Spitzkehre… Heißt, der Zug kommt den Berg herunter, hält, der Fahrer geht in den andern Führerstand und weiter gehts in die andere Richtung weiter den Berg runter. Doch dann ist das Ziel erreicht. Aussteigen…! Umsehen…! Ich stehe mitten im Nichts! Ja, nicht ganz, da ist ein ‚richtiger‘ SBB Bahnhof, aber sonst, drei Häuser (vielleicht auch ein paar mehr, ja…ja, aber gefühlt) Für heute ist es genug…ein viel zu gut klimatisierter SBB Zug bringt mich zurück nach Biel…

Strecke Yverdon-les-Bains – Ste-Croix VD

Nun, eine hab ich noch. Neuer Tag…auf dem Weg nach Genf. (Mit den dreckigsten Zug, den ich in der Schweiz gesehen habe und das soll was heißen…die Steigerung schafft nur die französische Eisenbahn!)  Ein kurzer Zwischenhalt in Yverdon-les-Bains, gut 30 km nördlich von Lausanne. Hier habe ich noch eine kleine Strecke in die Berge gefunden. Die Chemin de fer Yverdon–Ste-Croix! Naja, gefunden hört sich so nach entdeckt an…habe ich auch, jedoch nicht bei stundenlangen Märschen durch die Landschaft, wo ich auf der Suche jeden Stein umgedreht habe, nein…schnöde in einem Buch! Die Strecke führt von Yverdon nach Sainte-Croix. Die Strecke überwindet in 36min auf 24 km Länge einen Höhenunterschied von guten 600 m. Das ist schon eine Leistung, vor allem mit einem Zug, der eigentlich eine bessere Straßenbahn ist. Naja…erst eimal geht es durch die Vororte oder besser Vorgärten. Erst nach den den unumgänglichen flachen Felder, geht es stetig nach oben, erst langsam und dann richtig…! Oben angekommen eröffnet sich zwischen den Bäumen ein atemberaubenden Blick über die Ebene…erst kurz, dann für einen kurzen Moment richtig… Ich dachte erst, hin habe mich geirrt, aber man sah an diesem Tag wirklich den Mont Blanc! 110 km Fernsicht…Wahnsinn! Dann geht es weiter um den Berg…vorbei. Noch durch ein paar Tunnel und sieht man den Endpunkt Sainte-Croix ein wenig über uns… Schnell ist der Rest geschafft. Leider kann ich mich nicht lange umsehen, geht fast sofort zurück. Pech! Noch ein Blick zum Mont Blanc und schon bin ich zurück in Yverdon. Nebenbei, dieses Städtchen ist echt sehenswert!

Fazit!

Nun, wenn man wandern oder mit dem Fahrrad fahren, jedoch keine Höchstleistungen vollbringen will, ist man hier genau richtig. Zumindest im Sommer, wie es im Winter hier so ist, vermutlich ist das Grüne dann Weiß! Gut, die Strecken sind vielleicht nicht so spektakulär, wie viele andere in der Schweiz, aber trotzdem schön anzusehen und mal was anderes. Und…noch nicht von Asiaten überschwemmt (nicht bös gemeint)

SCHWEIZ – Dampfbahn Furka Bergstrecke

ENGLAND – The Island Line

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