Spoorwegmuseum

Endlich bin ich im Spoorwegmuseum, dem niederländischen Eisenbahnmuseum in Utrecht. Warum ich das so betone? Weil ich 50 Wochen auf Einlass gewartet habe. Ja, 50 Wochen zuvor, stand ich schon einmal vor der Tür und musste leider unverrichteter Dinge wieder von dannen ziehen. Es war einfach zu! Damals bin ich, im wahrsten Sinne des Wortes, wieder abgedampft. Mein Ärger hielt sich nur mittelbar in Grenzen. Ja, es stand auf der Website, aber wie ich dieses Jahr gesehen habe, doch recht kurzfristig. Anfang Dezember ist aus, für mich nicht nachvollziehbaren Grund, anscheinend immer eine Woche zu. Ich bin mir nicht sicher, ob man das vielleicht nicht schon mehr als 3 Wochen vorher weiß.

Egal, mit Beginn dieses Berichtes musste ich für mich erst einmal die Frage klären, wie das Land um das, nach Eigendarstellung bei Google, beste Museum der Niederlande, wirklich heißt. Und ja, Niederlande ist die richtige Antwort. Holland heißt es wohl nur bei den Deutschen! Aber ob es nun das wirklich beste Museum der Niederlande ist, müssen wohl die Niederländer hier niederlegen. Gott, ja…das musste sein.

Ein wenig Geschichte

Das Spoorwegmuseum findet man am (ehemaligen) Bahnhof Maliebaanstation. Dieser, ihm das Jahr 1939 geschlossene Bahnhof, dient seit 1954 dem Museum als Heimat. Nach mehrfachen Erweiterungen und Umbauten, zeigt sich das Spoorwegmuseum heute im Zustand der letzten Veränderungen aus dem Jahr 2003. Zu diesem Zeitpunkt änderte sich das Museumskonzept grundsätzlich. Das Besuchserlebnis stand nun im Vordergrund, Zielgruppe Familien mit Kindern. Dies spiegelt sich auch in den Exponaten wieder, die nun nicht mehr stur nebeneinander stehen, sondern denen Raum gegeben wird. (Viel Raum…! Zuviel!) Anderseits gibt es ein kleines Theater, ein grosses Restaurant und, ich weiß gar nicht, ein Simulator? Das Bahnhofsgebäude stammt aus dem Jahr 1874 und steht unter Denkmalschutz.

Das Museum ist recht gut zu erreichen. Parkplätze sind genug vorhanden, von Utrecht Centraal fährt jede Stunde ein Pendelzug zur Maliebaanstation. Man kann natürlich auch einfach laufen. Die Alt- bzw. Innenstadt von Utrecht ist in jedem Fall sehenswert und ruft nach näherer Betrachtung. Diesen Weg bewältigt man in ca. 20min. Das Museum liegt in den Niederlanden recht zentral und da das Land nun nicht groß ist, bieten sich alle Regionen als Startpunkt für einen Tagesausflug an. Ich bin an diesem Tag aus Antwerpen anreist, aber auch Brüssel wäre noch nicht zu weit.

  • Öffnungszeiten:
    • Dienstag – Sonntag 10 – 17 Uhr
  • Adresse:
    • Het Spoorwegmuseum
    • Maliebaanstation 16, 3581 XW Utrecht, Niederlande
  • Website offiziell

Rundgang Spoorwegmuseum

Es geht los

Auf der einen Seite war ich erleichtert, das das Museum diesmal auch wirklich offen war und auf der anderen Stolz auf mich, pünktlich 10:05 Uhr das Gebäude zu betreten. Unterbewusst hat es mich zwar gewundert, das der Parkplatz gut gefüllt war, aber so wahrgenommen habe ich es natürlich nicht. Im Empfangsgebäude wuselten aber schon mehr Menschen herum, als ich erwartet habe. Egal, die Kasse war leer. Nach Bezahlung des Endgeldes bekam ich eine Karte, einen Plan und eine Erklärung wie ich zum eigentlichen Museum kommen. Der Weg führt aus dem Bahnhof heraus über einen überdachten historisch korrekten Bahnsteig. Schon hier finden sich, vorteilhaft angeordnet, interessante Exponate. Ein guter Einstieg in das Geschehen.

Eingangsbereich

Im Eingangsbereich des eigentlichen Museums findet sich eine fliegende Lokomotive! Okay, fliegen tut sie nun nicht, aber ist trotzdem eine gute Idee. Am besten kann man die Maschine jedoch vom Skywalk betrachten. Ja, sowas Schönes gibt es hier. Die Reihe NS 1600 wurde 1889 bei Sharp Stewart in Glasgow produziert und bis 1935 im Einsatz. Unnützes Wissen gefällig, Dampflok heißt im Niederländischen wie, genau, ’stoomlocomotief‘! Einfach nur schön.

Die große Halle, genannt ‚die Werkstatt‘

Das Museum gliedert sich, wie auf der Karte zu sehen, in mehrere Themenbereiche. Doch im Inneren angekommen, bemerkt man als erstes eine große Leere. Im Bereich ‚die Werkstatt‘ ist viel Platz, wirklich viel Platz. Nun ist es glaube ich so, dass dieser Bereich mehr oder weniger eine Aktionsfläche ist. Das ist natürlich reine Spekulation, aber wenn ich mir Bilder des Museums ansehe, finden sich da immer wieder Fahrzeuge, die heute nicht zugegen sind. Das ist nicht schlimm, wird man doch so animiert, wieder zu kommen (wiederkehrende Umsätze) . Ob das nun so ist der nicht, wenn man sich umsieht, das Museum ist gut gefüllt. Klar, es ist Samstag, aber wie ich schon ausführte, kurz nach der Öffnung. Und schnell wird klar, hier kommt man nicht nur her um die Exponate entspannt zu begutachten, sondern auch um zu frühstücken. Ist ja auch völlig normal ‚Lass uns doch mal wieder brunchen gehen!‘ ‚Ja, warum nicht, wo wollen wir hin?‘ ‚Na wie immer, ins Eisenbahnmuseum!‘ Naja, ist vielleicht ein wenig überspitzt, aber das ist der erste Gedanke, der einem kommt, wenn man das sieht.

Aber schauen wir uns einmal in der großen Halle um. Die Stirnwand nimmt, sehr imposant platziert, die älteste erhaltene Dampflokomotive der Niederlande ein. Die Reihe NS 700 (SS-13) aus dem Jahr 1865 wurde bei Beyer Peacock, Manchester gefertigt. Als zentrales Element des Raumes präsentiert sich aber eine Elektrolokomotive, die Baureihe NS 1200. Man sieht der Lok schon ihre Herkunft an, ein Ami! Nach dem letzten Krieg, gab es in ganz Europa Mangel an Lokomotiven bzw. die klassischen Hersteller waren noch nicht in der Lage, moderne Maschinen zu liefern. Also behalf man sich mit Lizenzbauten der großen amerikanischen Hersteller. Die lieferten Pläne etc., gebaut wurde in dem jeweiligen Land. Hier in den Niederlanden, wie auch in Spanien (RENFE 7800), war Baldwin und Westinghouse der Lizenzgeber. Gefertigt wurde dieser Typ bei Werkspoor in Amsterdam. Das ausgestellte Fahrzeug zeigt sich in der ursprünglichen Lackierung.

Bevor wir zu den reichlich vorhandenen Triebwagen übergehen, ist noch ein Dampflok zu begutachten. Hierbei handelt es sich um eine Maschine der Baureihe NS 3700 aus dem Jahr 1913, gebaut wie gehabt von Beyer Peacock, Manchester. Es war schwierig, diese Lok ohne Menschen zu fotografieren, da es hier Leute gibt, die jedes Detail aufnehmen. Heißt, die ganz nah dran sind und wirklich die letzte Schraube fotografieren. So was habe ich wirklich noch nicht gesehen, vor allem nicht nur einer, nein, mehr als ein Duzend Menschen, die um die Exponate herumscharwenzelt sind.

Die Triebwagen

Aber kommen wir nun zu den Triebwagen, die sich doch recht zahlreich nicht nur in der Halle, sondern auch im Freigelände tummeln. Der Erste, NS Mat54 (für Material 1954) strahlt uns in satten grün an. Ich weiß auch nicht, aber ab dieser Baureihe werden die Spitznamen recht merkwürdig. Mat54 nannte man ‚Hondekop‘ (Hundekopf). Wenn man sich mit diesem Wissen den Triebzug ansieht, ja, bisschen treudoof kommt der schon daher. Der Nachfolger Mat64 aus den 60iger war dann der ‚Affenkopf‘. Diesen Zug finden wir im Außengelände. Das nicht elektrische Pendant ist auch zu sehen. Hier bezog sich dann der Spitzname auf die Farbe (in den 60igern war für Dieselzüge die Farbe rot vorgesehen). Passend oder nicht, der Zug wurde ‚Roter Teufel‘ genannt (auf Bahnhofsgleis abgestellt). Ganz im Gegensatz zu, ja, meinem persönlichen Favoriten dem ‚Blauen Engel‘ aus dem Jahr 1954. Warum der mein Favorit ist? Lustige Geschichte, ich schlendere so durch Antwerpen, denke an nichts weiter und auf einmal stehe ich ‚zufällig‘ vor einem Modellbahnladen. Da kann ich gar nichts machen, es zieht mich magisch hinein… Ein riesengroßes Geschäft und ich stehe auf einmal vor einem blauen Triebwagen. Ich war hin und weg, obwohl unwissend, was das für ein Fahrzeug war. Glücklicherweise fehlte das Preisschild und so kam ich mit dem jungen Mann hinter der Theke ins Gespräch. Der erklärte mir dies und das. ‚Sowieso stand das Modell schon viel zu lange da und müsste weg.‘ Ein holländischer Zug ließe sich in Belgien eben schwer verkaufen… Naja, selbst mit 20% Rabatt war das Modell noch teurer, aber, ich ging natürlich mit einer Tüte aus dem Laden.

Auf den Bahnhofsgleisen kann man noch den elektrischen Triebwagen Mat46 von 1952 bewundern. Ein äußerst gelungenes Design, wie ich finde. Eine gewisse Ähnlichkeit mit den deutschen Triebwagen der 30iger Jahre ist hier nicht so ganz von der Hand zu weisen. In der großen Halle haben wir noch den roten Post-Triebwagen Mat64mP anzusehen. Zum Abschluss der Triebwagenrunde schauen wir noch auf den BC-6 von 1908. Dies ist einer der ersten mit Wechselstrom betriebenen Fahrzeuge in den Niederlanden. Später hat man sich, wohl aus strategischen Gründen, für Gleichstrom entschieden.

Freigelände

Das Freigelände gliedert sich eigentlich in zwei Teile. Einen großen Bereich , erreichbar durch die Halle und einen kleineren Bereich genau auf der entgegensetzen Seite. Im, nennen wir ihn mal Hauptbereich finden sich allerlei Teile aus dem Betriebsdienst der Eisenbahn. Die Exponate wurden aus allen Teilen des Landes zusammengetragen und gipfeln, nach Stellwerk, Kränen und Signalen in einer Auswahl an Kleinlokomotiven und Kofferkarren.

Der kleinere Bereich hinten dem Museum bietet eine Drehscheibe und ein wenig Kunst am Objekt. Hier wird ein Lokschuppen angedeutet, flankiert von einigen Rangierlokomotiven. So man jetzt wieder den Ausstellungsbereich betrifft, kann man sich auf den Weg über den Skywalk in die Halle machen. Ich bin ja mal ehrlich, ich weiß nicht was das soll. Sicher, man kann die Exponate auch von oben sehen, aber hätte man die Mittel nicht für etwas anderes verwenden können? Ist aber glaube ich im Moment sowas wie Mainstream. St. Petersburg hat sowas auch, wenn gleich auch viel länger.

Und sonst?

Was haben wir noch, ein Tagungsraum mit einer Streckendampflokomotive. Das sieht gut aus. Hier hätte ich auch gern mal eine Tagung absolviert, aber nein, ich muss dann zu (noch) exotischeren Ort reisen… Dann gibt es noch das Theater ‚Dream Journeys‘. Naja Theater, weiß nicht, Mitmachtheater? Jedenfalls werden Zugreisen mit Menschen und Kulissen der früheren Zeit nachgestellt. Ganz nett gemacht. Schön wie die kleinen und großen Kinder mit offenen Mund dasitzen und gebannt zu hören. Es fehlen jetzt noch der ‚Trial by Fire‘ und der ‚The Great Discovery‘ Bereich. Im ersten war ich zwar im Vorraum, konnte mich aber nicht dazu entschließen zu warten, um das eigentliche Gebäude zu betreten und das Zweite, ja ‚The Great Discovery‘ hab ich schlicht übersehen. Na, man kann nicht alles haben…

Fazit

Dreierlei kann man zu diesem Museum bemerken. Erstens, die zahlreichen Besucher schienen Spaß zu haben, zweitens, diese Detailfotografen gehen mir einfach nicht aus dem Kopf und drittens, mir war da zu wenig Holland (ja, jetzt sag ich es mal). Sicherlich sind die Platzverhältnisse beengt, aber ob man nun drei oder vier Hundköpfe zu stehen hat, oder vielleicht nur einen und den Platz mit irgendwas anderem besetzt, weiß nicht. Aber zumindest wird der Besucher zum wiederkommen animiert. Mir hat es gefallen und ich kann das Spoorwegmuseum empfehlen…

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