Museu do Carro Elétrico

Um es gleich mal vorweg zu nehmen. Ich bin immer noch begeistert, was man so aus einer überzähligen Immobilie machen kann, wenn man denn will und ein wenig Geld investiert. Leider geht das Invest ein wenig unter, da es zum einem nicht genug beworben wird und zum anderen ein wenig ab vom Schuss ist! Doch das ist in Lissabon auch nicht anders, jeder hat schon mal von den Straßenbahnen dort gehört, wer da war, ist auch mit einer Bahn gefahren. Wer aber weiß schon, dass es ein Straßenbahnmuseum in Lissabon gibt? Die wenigsten, behaupte ich mal.

Die Eisenbahn kommt

Aber fangen wir mit ein wenig Geschichte an! 1856 erfolgte die Eröffnung der ersten Eisenbahnlinie in Portugal. Diese Strecke, von Lissabon bis Carregado war der erste Abschnitt der geplanten Verbindung Richtung Osten (Linha do Leste, Linha do Beira Baixa, Spanien) und Richtung Norden (Linha do Norte, Porto) die bis zum Bahnhof Entroncamento (heute findet sich hier das Eisenbahnmuseum) verlaufen sollte. Der Bau begann 1853 und man erreichte Richtung Norden 1863 die Stadt Vila Nova de Gaia, die gegenüber Porto am südlichen Ufer des Douro liegt. Erst mit der Fertigstellung der Brücke Ponte de D. Maria Pia von Gustave Eiffel 1877 konnten die letzten 3,8 km bis zum Bahnhof Porto Campanhã in Betrieb genommen werden. Der im Jahr 1877 erbaute Bahnhof liegt an der Peripherie, deshalb wurde im Jahr 1896 eine Stichstrecke in die Innenstadt errichtet. Es dauerte noch bis 1916 bis das Bahnhofsgebäude São Bento in Betrieb genommen werden konnte!

Bahnhof Porto São Bento

Der Bahnhof ist auf dem Gelände des ehemaligen Klosters Mosteiro de São Bento de Avé-Maria erbaut, dass ab 1894 abgerissen wurde. Für die Gleiszufahrten zum Bahnhof mussten 3 Tunnel gebaut werden. Grundsteinlegung und Baubeginn erfolgte im Jahr 1900, jedoch benötigte man für die Fertigstellung der Gesamtanlage 16 Jahre. Das neue Bahnhofsgebäude, entwarf der aus Porto stammende Architekt José Marques da Silva. Der Künstler Jorge Colaço gestaltete die Vorhalle des Bahnhofes mit landestypischen portugiesischen Azulejos (Fliesenbildern), die heute noch zu bewundern sind. Der Bahnhof wird heute nur vom Nah- und Regionalverkehr genutzt. Wobei man wissen muss, das auch ein IC in diese Kategorie gehört. Man sollte sich auf keinen Fall die kurze Fahrt zum Bahnhof Campanhã entgehen lassen.

Kurze Geschichte der Straßenbahn

In Portugal gab es 5 richtige Straßenbahnbetriebe, von denen heute noch 3 in Betrieb sind (Porto, Sintra, Lissabon). Porto kann auf die längste Geschichte verweisen. Hier begann der Pferdebahnbetrieb 1872, in Lissabon erst 1879. Interessanter Weise bezeichnete man diese Gespanne als ‚Carro americano‘ bzw. nur ‚Americano‘! Dies einfach nur, weil es eine amerikanische Erfindung war. Die ‚Carril Americano do Porto Company‘ betrieb die ersten Strecken entlang des Douro von Infante bzw. Carmo nach Foz, also in etwa die Strecke der heutigen Linie 1 bzw. 18. Später wurden diese Strecken Richtung Matosinhos (heute der Hafen von Porto) und in die Innenstadt verlängert. Ab 1895 begann man die Strecken der Pferdebahnen zu elektrifizieren. Dies wurde im Jahr 1903 abgeschlossen. Auch mit der elektrischen Straßenbahn war Porto Lissabon voraus, hier begann man mit der Elektrifizierung erst 1901. Die größte Netzausdehnung erreichten Portos Straßenbahnen 1949 mit 81 km (Streckenlänge 150 km). Es wurden 20 Linien betrieben. In den 60iger und 70iger Jahren begann mit den ersten Stilllegungen die Umstellung auf Busse. Den Abschluss fand dies im Juni 1996 mit der Stilllegung der letzten regulären Tram Linie! Es fanden zwar weiterhin Fahren statt, jedoch ohne festen Fahrplan und nur im Rahmen von Sonderveranstaltungen. Ab 2002 erfolgte die schrittweise Wiedereröffnung, nun als Museumsbahn, beginnend mit der Linie 1. Heute werden 3 Linien auf 8,9 km unter dem Namen ‚Porto Tram City Tour‘ betrieben.

Metro do Porto

Naja, das es in Porto keine Straßenbahn mehr gibt, ist sooo auch nicht ganz richtig… Da wäre ja noch die sogenannte Metro! Das erste Teilstück wurde 2002 eröffnet, heute umfasst das Netz 70 km, das sich auf 6 Linien verteilt. Die schnelle Bauzeit begründet sich auf den relativ kleinen Anteil an Tunnelstrecken in der Stadt (9,5 km). Für die übrigen Strecken wurden vor allem Vorortbahnen etc. umfunktioniert. Die Metro benutzt auch die obere Fahrbahn der Ponte Dom Luís I. Interessant, aber für mich ungeklärt, die Züge/Bahnen begegnen sich immer in der Mitte der imposanten Brücke (Zufall). Aber gerade wenn man diesem Schauspiel bewohnt, stellt man sich schon die Frage, was nun die Metro von einer Straßenbahn unterscheidet, zumal es sich bei den Fahrzeugen offensichtlich um Straßenbahnen handelt (Bombardier Flexity Outlook/Eurotram) Aber Frage wird wohl offen bleiben.

Funicular dos Guindais

Noch ein Stück Metro (wohl weil es einen 90 m langen Tunnel gibt) finden wir am nordöstlichen Ende der Ponte Dom Luís I. Hier befindet sich seit 1891 eine Standseilbahn, die das Ufer des Douro mit der Rua da Batalha verbindet. Auf 281 m Länge werden 61 Höhenmeter überwunden. Die Fahrt dauert ca. 3 min.

Museu do Carro Elétrico

Das Museu do Carro Elétrico, das Straßenbahnmuseum Porto, befindet sich an der, von der ‚Porto Tram City Tour‘ betriebenen Station Massarelo der Linie 1 und 18. Das Museum wird betrieben von der STCP (Sociedade de Transportes Colectivos do Porto), also den städtischen Verkehrsbetrieben Portos. Eröffnet wurde das Museum an dieser Stelle 1992. Zwischen Dezember 2012 und November 2015 erfolgte eine Grundsanierung und Renovierung des Museums. Das Gebäude das das Museum beherbergt wurde 1915 errichtet und war ehemals das Elektrizitätswerk der STCP. Bis 1960 wurde hier der Strom für das gesamte Netz erzeugt. Seither erfolgt die Stromversorgung dezentral aus dem nationalen Netz.

  • Öffnungszeiten:
    • Montag 14 – 18 Uhr
    • Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr
  • Adresse:
    • Alameda de Basílio Teles 51, 4150-127 Porto, Portugal
  • Website STCP
  • Website Museum

Rundgang Museu do Carro Elétrico

Das Gebäude, selbst der Eingang täuscht ein wenig darüber hinweg, was einen hinter der Tür erwartet… Hypermodern erwartet den Besucher der Empfangsbereich. Die nette Frau an der Kasse lächelt, kann nur wenig englisch… ist aber nicht schlimm, es gibt eine kleine zweisprachige Broschüre, in der uns der Weg gezeigt wird. Auch den Exponaten sind zweisprachige Displays beigestellt worden.

Die Fahrzeughalle

Gut ich habe die Ausstellung ja nun gesehen, wer jedoch das erste Mal durch die Glastür tritt, wird doch recht überrascht über den Raum sein, der sich öffnet! Ja, da haben die Macher wirklich was ganz schönes erschaffen. Auch wenn man am Anfang überwältigt ist, sollte sich aber vor Augen halten, das es sich hier nicht um eine ehemalige Werkstatt handelt, sondern den Kesselraum des Kraftwerkes. Entkernt und neu gestrichen, hat man hier natürlich Platz ohne Ende. Zu sehen sind 25 Fahrzeuge (Aufstellung in englisch). Das geht von Originalen aus dem Jahr 1872 (mit Pferd) bis zu hin Replikas (Tram 100, 1995). Auch einige Arbeits-/Sonderfahrzeuge, Güterwagen des Betriebes sind zu sehen. Alles ist erstaunlich gut sichtbar im vorhandenen Raum angeordnet. Ich glaube fast, hier ist alles vorhanden, was je die Straßenbahngleise der Stadt gekreuzt hat. Sehr schön! Man muss die Ausstellungshalle schon fast als ein Gesamtkunstwerk betrachten!

Die Maschinenhalle

Nicht minder überwältigend ist der nächste Raum. Obwohl Raum wohl das falsche Wort ist! Einer kleinen Treppe folgend, steht man auf einmal einer großen Halle… ja, in einer Kathedrale der Technik. Schon in meiner blumigen Wortwahl spürt man, wie beeindruckt ich war und immer noch bin. Sicherlich hätte der Raum noch anders gewirkt, wenn nicht die Sonne ein übriges getan hätte. Aber das war nun mal so! Klar finden sich hier auch ’nur‘ Relikte der Energieerzeugung des letzten Jahrhunderts, und das sicherlich wie in hunderte anderen Museen dieser Art auf der Welt, aber, hier muss ich noch einmal auf die Helligkeit eingehen, es sieht fantastisch aus. Sonst sind die Anlagen zur Energieerzeugung bzw. -steuerung eher in dunklen abgeschlossenen Kammern zu finden, wie ich an vielen Stellen schon erlebt habe. Aber und hier endet meine Lobhudelei dann auch schon, in dieser Halle hätte ich nicht arbeiten mögen. Es ist natürlich sinnvoll, Steuerung und Erzeugung zu trennen, vom Schmutz mal abgesehen, musste der Lärm in dieser Halle ohrenbetäubend gewesen sein… Doch das blenden wir einfach mal aus und schauen…

Fazit

Natürlich empfehle ich dieses Museum, empfehle ich Porto und die ‚Porto Tram City Tour‘, aber wegen des allein Museum muss man nicht in die Stadt. Es ist eher so, das hier ein Gesamtpaket stimmt. Fahrten mit der historischen Straßenbahn, das Straßenbahnmuseum, interessante Brücken, Bahnhöfe, die Stadt, all das sollte einen nach Porto bringen. Bleibt noch zu klären, ob nun Porto oder Lissabon im direkten Vergleich die Nase vorn hat? Nun, ich war einige Male in Lissabon und nur einziges Mal in Porto, aber… Nein, das sollte jeder selbst herausfinden… (ja… ja… ja… Porto)

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