Verkehrsmuseum Dresden

Lange habe ich gewartet, um das Verkehrsmuseum Dresden zu besuchen. Warum? Vielleicht waren es die romantischen Kindheitserinnerungen, die ich mit dem Verkehrsmuseum verbinde. Ja, das war noch was. Wenn es nach Dresden ging, stand das Verkehrsmuseum immer auf dem Programm. Gut, ich war nie im grünen Gewölbe, aber das war weder damals, noch heute wirklich schlimm… Erst die Bahnfahrt von Berlin aus, für den Bahnhof hatte ich dann keinen Blick mehr, die Prager Straße im Sauseschritt absolviert, am Kulturpalast vorbei und schon stand ich davor… Den große Steinhaufen daneben, habe ich zwar registriert, auch das das mal die Frauenkirche war, aber interessiert hat es mich nicht wirklich, ich wollte ins Museum. Ja, der kleine Junge wollte die Loks sehen. Wie man schon merkt, ist das schon eine Weile her, ich fahre heute nicht mit dem Zug nach Dresden, sondern parke fast direkt neben dem Museum in der Tiefgarage, der Bahnhof wird nun schon seit Jahren umgebaut, die vormals breite Prager Straße ist nicht wiederzuerkennen. Neubauten haben sich in den Vordergrund gedrängt und versperren die Sichtachse, gut, an den Kulturpalast hat sich keiner ran getraut, der steht noch nach sozialistischer Manier direkt vor der historischen Gebäuden. Der ehemalige große Steinhaufen ist zur Frauenkirche wiedererstanden, was gut gelungen und sehr gut ins Stadtbild passt. Leider lässt die Bauwut im nahen Umfeld vermuten, dass der Blick bald durch Pseudoaltbauten versperrt sein wird.

Geschichte

Das Verkehrsmuseum strahlt mich wie eh und je an. Das in den Jahren 1586-90 erbaute als Stallgebäude, wurde mit dem letzten Umbau in den 1870igern zum Museum umgestaltet und nach König Johann, fortan Johanneum genannt. Nach Beseitigung der Kriegsschäden wurde das Gebäude 1956 als Verkehrsmuseum neu mit einer ersten Ausstellung eröffnet (120Jahre sächsische Verkehrsgeschichte) . Das Museum selber hat eine längere Tradition. Schon ab 1877 wurde eine Sammlung aufgebaut. Diese konnte ab 1902 als sächsisches Eisenbahnmuseum in der Wiener Straße und ab 1921 im Bahnhof Dresden Neustadt besichtig werden. Nach dem Krieg wurde das Verkehrsmuseum der DDR im Zusammenhang mit der Öffnung der Hochschule des Verkehrswesens 1952 gegründet. 1954 bekam das Museum das Johanneum als zukünftigen Standort zugewiesen. Ab 1958 konnte die erste Dauerausstellung gezeigt werden. Der Eisenbahnausstellung folgte ein Jahr später die Schifffahrtsausstellung. Bedingt durch die innerstädtische Lage, konnte schon immer nur eine begrenzte Anzahl an Exponaten direkt vor Ort gezeigt werden. Beispielsweise gehören heute 105 Lokomotiven zum Bestand des Verkehrsmuseums. (Aussage auf der Webpräsens des Museums) Besichtigt werden können diese Fahrzeuge leider nur an ‚besonderen Tagen‘ im BW Dresden Altstadt. Nachdem das Museum in der DDR richtigerweise direkt dem Verkehrsministerium unterstellt war, befindet es sich heute in der Trägerschaft der Stadt Dresden und fungiert hier als gGmbH. Hier muss ich dann doch mal einhaken, wie man aus einem nationalen, international anerkannten Museum ein (naja, sagen wir mal) Stadtmuseum machen kann, wird wohl im Nebel der Geschichte verborgen bleiben. Ich werde weiter unten darauf noch einmal zurück kommen. Auf eine andere Sache bin ich im Geschäftsbericht gestoßen, es wird zumindest darüber nachgedacht, neue Räume für das Museum zu finden. Ich kann mir schon vorstellen, dass es Begehrlichkeiten für das Gebäude gibt, ist doch ein Verkehrsmuseum in so hervorragender Lage immer ein Objekt der Begierde. Zumindest bis 2025 ist jedoch das Museum an dieser Stelle zu finden.

Aber noch einmal zurück zu den Fakten. Das Museum ist gut zu erreichen. Parkplätze stehen, wenn auch begrenzt, in den umgebenen Tiefgaragen zur Verfügung, aber ein Spaziergang durch die umgebene Innenstadt ist natürlich auch nicht zu verachten.

  • Öffnungszeiten:
    • Dienstag – Sonntag 10 – 18 Uhr
  • Adresse:
    • Verkehrsmuseum Dresden gGmbH
      im Johanneum am Neumarkt
      Augustusstraße 1
      01067 Dresden
  • Website offiziell (ist ein wenig gewöhnungsbedürftig)

Rundgang Verkehrsmuseum

Straßenverkehrsabteilung

Das Erste was einem nach dem Betreten des Hauses auffällt, irgendwas fehlt. Der große Eingangsbereich wirkt leer, unfertig, lieblos. Nur die Kasse ist ein einer Ecke hingesetzt, flankiert von einer Modellvitrine. Kein Shop, kein Bistro trübt den Blick auf das verputzte Mauerwerk. Das ist wirklich mal was Neues, ein Museum ohne Shop! Gut, ich spare Geld, bin aber, zugegeben, ein wenig grummelich. Das Ticket gelöst und schon bin ich einer von 210.000 Besuchern (wäre 2016 gewesen, neuere Zahlen liegen nicht vor). So ich das richtig verstanden habe, sind alle, bis auf die Eisenbahnabteilung neu gestaltet (modernisiert?). Der Rundgang beginnt in der Straßenverkehrsabteilung und ja, an einige Exponate kann ich mich sogar erinnern. (Laufrad etc.) Man versucht auf relativ wenig Platz alle Stationen der Errungenschaften des Straßenverkehrs darzustellen…

Positiv ist hier anzumerken, das die Museumskuratoren das ganz gut hin bekommen haben. Aber vielleicht hätte man (ich weiß, keiner mag Klugscheißer) mehr auf das Land Sachsen eingehen sollen. Schon die Verkehrsgeschichte ist doch erzählungswert und die passende Industrie ist doch heute noch in Sachsen vorhanden. Am interessantesten? Schwer zu sagen, kenn ich hier nicht genug aus. Vielleicht der Wankelmotor, bzw. dessen DDR Weiterentwicklung, der die vielen Trabanten und Wartburge antreiben sollte. Leider nichts geworden. Was fehlt sind die großen Exponate, die zum Straßenverkehr dazugehören, also Busse, Straßenbahnen etc. Ich höre schon die Mahner ‚Ja…zu wenig Platz‘, aber das sehe ich ein wenig anders. Der Lichthof ist frei, da stehen nur ein paar Plastikstühle. Und wenn ich das mal mit dem Londoner Transportmuseum vergleiche, ungefähr gleiche Größe, gleiche Innenstadtlage, nur, dort wird der Platz optimal genutzt und allen Verkehrsträgern der Stadt zumindest ein kleines Plätzchen eingeräumt. (und ein Wahnsinns Shop) Okay, man hat auch doppelt so viele Besucher.

Eisenbahnabteilung

In der zweiten Abteilung des Erdgeschosses findet sich die Eisenbahnabteilung. Nachdem ich die letzte Abteilung ja gelobt habe, (jaja, habe ich, glaube ich) fällt es hier schwer. Natürlich ist auch hier nicht genügend Platz, stören die dicken Pfeiler die Sicht auf die wenigen großen Exponate. Abhilfe wird mit viele Modellvitrinen geschaffen, in denen zumindest die ausstellungswürdigsten Fahrzeuge zu finden sind. Aber wollen wir einfach mal darauf vertrauen, das bei dem geplanten Umbau der Abteilung etwas Gutes herauskommt. Um mal dem Fazit vorzugreifen, vielleicht wäre es doch besser einen neuen Standort zu suchen, um als sächsisches Verkehrsmuseum, unter der Schirmherrschaft des Landes, neue Größe zu erlangen. Ich glaube, das Innenstadtargument zieht bei dieser Art Museum nicht. Die Besucher kommen nicht, wegen der Lage, sondern der Exponate und Ausstellungen wegen. Er sagt keine Familie ‚Ja, die Frauenkirche war nicht schlecht, jetzt gehen wir mal da rüber, mhmm, Verkehrsmuseum!‘ Man geht ins Verkehrsmuseum, weil man ins Verkehrsmuseum will!

Schifffahrtsabteilung

Die nächste Abteilung befindet sich in der ersten Etage und thematisiert die Schifffahrt. Ist klar, dass die Geschichte der Schifffahrt nur anhand von Modellen verständlich und übersichtlich dargestellt werden kann. Dies ist hier nicht anderes und wirklich gut gelöst. Auch der Flussschifffahrt (2×3 Buchstaben) rund um Dresden ist ein Bereich gewidmet. Hier werden nicht nur die Raddampfer thematisiert, sondern auch auf eine weniger bekannte Technik eingegangen, der Kettenschifffahrt auf der Elbe. Das ist interessant, denn wer weiß heute noch, dass es einmal eine 700km lange Kette zwischen Hamburg und Außig in Böhmen gab, an der sich die Schiffe stromaufwärts ziehen konnten. Nach Begradigung und Ausbau der Elbe, wurden jedoch die Kettenschifffahrt in Abschnitten zwischen 1898 und 1943 zugunsten der neuen Raddampfer eingestellt. Weiterführende Informationen zum Thema habe ich hier bereitgestellt: Kettenschifffahrt auf Elbe und Saale / Kettenschifffahrt allgemein

Luftfahrt

Nun folgt im Rundgang die letzte Dauerausstellung, der Themenbereich Luftfahrt. Der erste Raum ist schnell durchschritten. Hier wird anhand von Modellen, Plakaten und zwei drei größeren Exponaten versucht, die Geschichte dieses Themenbereiches darzustellen. Ob das nun gelungen ist, möchte ich mal dahingestellt lassen und mich lieber dem nächsten Raum widmen. Großes Thema hier, die Produktion von Flugzeugen am Standort Dresden / Pirna. Hier sollte 1955 die DDR Flugzeugindustrie aufgebaut werden. Das gelang, wie wir heute wissen, nur teilweise bzw. gar nicht. Aber immerhin wurde 80 Flugzeuge des Typ IL-14P hier gefertigt und die Entwicklung und Bau des DDR eigenen Flugzeuges, der 152 am Standort vorangetrieben. Heute ist die ehemalige Flugzeugwerft Dresden, Elbe Flugzeugwerke Teil des Airbus Konzerns und beschäftigt sich mit dem Umbau von Flugzeugen. Ja, ich muss sagen, hier ist eine sehr informative Ausstellung zusammengestellt worden. Hat mir gefallen.

Sonderausstellung

Der letzte Bereich ist als Fläche für wechselnde Sonderausstellung konzipiert. Zum Zeitpunkt meines Besuches standen „Die Deutschen und ihre Autos“ im Fokus. Jetzt nicht so meine Geschichte, aber ich glaube den Leuten hat es gefallen. Auch der anscheinend in Ostdeutschland obligatorische Melkus war vor Ort. Die Themen der nächsten Zeit scheinen auch interessant zu werden, die Termine und Themen finden sich auf der Homepage.

Fazit

Ein Fazit? Es gibt sogar zwei. Das Museum ist durchaus empfehlenswert. Natürlich war ich ein wenig enttäuscht, als ich nach einer Stunde wieder in der Sonne stand. Wieder so eine Kindheitserinnerung neutralisiert. Okay, so schlimm war das nun nicht, da ich glaube, das sich im Museum seit der Zeit auch nicht viel verändert hat. Doch, ich glaube eine Sache schon, früher gab es ein Museumsshop. Der muss auch wieder her, jedes noch so kleine Museum hat sowas als zusätzliche Einnahmequelle! Auch ein Café oder Bistro sollte sein. Und da wären wir schon beim zweiten Fazit. Also ich glaube durchaus, das die Trägerschaft durch die Stadt Dresden nicht die beste Lösung für das ehemalige DDR Verkehrsmuseum war/ist. Man bemüht sich zwar, aus den vorhandenen Mitteln und Exponaten das Beste zu machen, aber für einen komplexen Umbau reicht es eben nicht bzw. der ist wohl auch nicht gewollt. Man muss sich das mal vorstellen, wir haben hier ein Museum, was 105 Lokomotiven im Bestand hat! 105! Damit könnte man eigentlich in der Oberliga der Eisenbahnmuseen mitspielen. Aber wollen wir das hier nicht ausdehnen. Das Depot werde ich mir später einmal ansehen.

Ich verstehe aber den Freistaat Sachsen auch nicht. An anderen Stellen wird in Museen und Geschichte investiert, hier nicht. Aber das wäre genau das Richtige. Ein neuer Standort, alte Bahnanlagen gibt es zuhauf und willkommen im ’sächsischen Verkehrsmuseum‘. Sachsen ist so reich an Entwicklungen und Geschichte/Geschichten. Also los und ich werde der erste Besucher sein. Naja vielleicht…

3 Kommentare

  1. Frank – danke für den sehr ausführlichen und informativen Beitrag. Ich war dort auch bereits zu DDR Zeiten als Besucher aus der BRD und kann mich nicht erinnern, dass dieses Museum anders gewirkt hat als heute nicht so hell und freundlich! Werden die Straßenbahnen nicht mehr ausgestellt? Was aber auch sehenswert ist die grosse Modellbahnanlage in Spur 0. Gruß Jürgen

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