DEUTSCHLAND – Besucherbergwerk F60

IMG_3189Ich gebe zu, auch für mich erscheint es auf den ersten Blick ein wenig befremdlich, hier ein Bergwerk zu erkennen, läßt uns doch ein Bergwerk unwillkürlich nach unten schauen. Doch da gibt es hier nichts. Das Besucherbergwerk F60 steht einfach in seiner ganzen Pracht vor uns! Aber nun lassen wir mal die, sicherlich richtigen, technischen (bergmännischen) Begriffe und werden mal konkret, was hier vor uns steht, ist eine Abraumförderbrücke Typ F60! Vor uns liegen die Reste des ehemaligen Tagebaues Klettwitz-Nord nahe der Gemeinde Lichterfeld im südbrandenburgischen Landkreis Elbe-Elster. Naja, Reste ist gut, heute erstreckt sich vor uns der Bergheider See.

Was mich in die Öde getrieben hat? Ich folge, wenn auch langsam, der ENERGIE Route Lausitzer Industriekultur (so heißt das im Land Brandenburg) Nach der Energiefabrik Knappenrode stand nun weiterer Besuch in der Lausitz auf der Tagesordnung. Ich muss aber eingestehen, dass dies nur(!) eine Art Kontrollbesuch war. Klar war ich hier schon einmal gewesen! Hab sogar die Bilder gefunden, aber die waren noch in der ‚pre iPhone‘ Zeit entstanden und naja, so richtig hochauflösend war meine Sony Kamera (aus heutiger Sicht) nun auch nicht. Aber wie dem auch sei, ich war der Meinung, dass es besser geht und schon sass ich im Auto und fuhr nach Süden. Unterwegs musste ich jedoch für mich feststellen, das es noch mehr gibt, das besser geht. In diesem Fall das Wetter, also hätte könnte sollte. Im schönsten Sonnenschein losgefahren, lachte die Sonne noch als die Karten gekauft wurden (mich aus!) und verschwand sofort als es los ging. Die Besichtigung der höchsten Stelle der Brücke erfolgte im strömenden Regen. Aber was fällt uns dazu ein…schönes Wetter kann jeder! Aber lassen wir uns mal nicht ablenken. Da steht die Brücke vor uns… 502 m lang, 240 m breit, 80 m hoch und 11.000 t schwer (betriebsfähig 13.500 t). Ja nun, Zahlen, aber das Ding ist groß, richtig groß. Man suggeriert, nein, das ist das falsche Wort, man wirbt damit, das der Eifelturm, wenn er jetzt hier in der Lausitz neben der Förderbrücke liegen würde, kleiner ist! Das ist doch was. Aber das Museum muss sich eigentlich nicht mit solch kruden Vergleichen schmücken, es macht auch so was her und 80.000 Besucher (Respekt!) können ja auch nicht soo ganz falsch liegen.

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  • Öffnungszeiten: 
    • Hauptsaison (16.März-31.Oktober) täglich 10:00 – 18:00 Uhr
      • Mai-September Samstag bis 20:00 Uhr
      • Nachtlichtführungen auf Anfrage
    • Nebensaison (01.November-15.März) Mi-So 11:00 – 16:00 Uhr
  • Adresse: Besucherbergwerk F60, Bergheider Straße 4, 03238 Lichterfeld
  • Website offiziell 

Besucherbergwerk F60

Bevor wir dem Ding näher kommen, noch ein Wort zum Tagebau Klettwitz-Nord. Der Aufschluss begann erst 1988, Ende 1991 war der Tagebau voll betriebsfähig. Schon ein Jahr später war Schluß, die letzte Kohle wurde im Dezember 1992 gefördert. Es wurden (nur) 13 Mio t Kohle gefördert, 234 Mio t sind noch da unten! Die F60 für Klettwitz-Nord wurde in (nur) 3 Jahren ab 1988 erbaut. Die vor uns stehende Brücke ist eine von fünf diesen Typs, die ab 1969 gebaut und ab 1972 eingesetzt wurden, wobei die restlichen vier Brücken noch im Einsatz sind! Aber um es mal deutlich zu sagen, die F60 hat gar nichts mit der Kohle zu tun (also mittelbar), die offizielle Bezeichnung ist eigentlich Abraumförderbrücke F60! Wobei die 60 für die max. Abtragsmächtigkeit in Metern steht. Was dazu führt das bis zu 27.000 m3 (entspricht ca. 50.000 t) in der Stunde bewegt werden können. Der Arbeitsbereich der Brücke befindet sich über der Kohle. Eigentlich ist sie dafür da, die Erde, die über der Kohle liegt, von der einen Seite über den Förderbereich auf die andere Seite zu bringen und das Loch wieder zu schliessen. Was da von der Landschaft übrig bleibt, nun ja… Die ganze Geschichte mit alten Bildern hat die LMBV aufgearbeitet…herausgekommen ist eine schöne Broschüre! Politisch korrekt, muss jetzt hier noch ein Hinweis auf die Menschen folgen, die der Kohle weichen mussten, was hiermit getan ist!

Rundgang

Eigentlich sollte jeder dieses technische Denkmal auf sich selbst wirken lassen. Die Erklärer sind äußerst kompetent und kennen ‚ihre‘ Maschine recht gut, also werde ich mich zurückhalten und die Bilder wirken lassen. Nur ein Hinweis, den man beherzigen kann aber nicht muss. Auf jeden Fall ist der Aufstieg gefahrlos möglich, natürlich TÜV geprüft. Aber trotzdem sollte man überlegen, ob man Höhe, nur auf Rosten stehend und laufend wirklich mag. Und ich weiß auch nicht, ob man mit Kleinkindern den Rundgang unbedingt machen muss, aber gut das muss jeder selber wissen. Man ist ungefähr 60min bis 90min unterwegs, je nach Gruppengröße und Wetter. Aber wenn man durchhält, hat man nicht nur die Förderbrücke bezwungen, sondern hat auch einen phantastischen Rundblick. Also hätte man sollen…

Werkbahnen

Klar, es fehlt noch der Bezug zur Bahn. Gut, die Abraumförderbrücke und ihre Bagger fahren natürlich auf Schienen! Doch hier steht noch eine ganz besondere Maschine, eine Gleisrückmaschine! Über die Werkbahnen in der Lausitz habe ich hier noch was schönes gefunden!

Fazit

Muss man gesehen haben, den Schlenker von der A13 könnte/sollte man in jedem Fall in Erwägung ziehen. Ob man nun (Braun-)Kohle nun mag oder nicht, ist es doch ein Stück Geschichte und das gilt es zu erhalten/besichtigen. Mal davon abgesehen, dass es sich um eine herausragende ingenieurtechnische Leistung handelt. Und wenn wir denn alle in unseren Elektroautos sitzen und nicht wissen, wie wir die Laden sollen, Klettwitz-Nord hat noch Kohle für 30 Jahre. Die kann man zu Strom machen, oder, was auch schlau wäre…Benzin! So und ich, ich muss jetzt mal in einen Tagebau!

Auch noch Museen?

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