ITALIEN – Museo nazionale della scienza e della tecnologia Leonardo da Vinci

IMG_4865Museo nazionale della scienza e della tecnologia Leonardo da Vinci, was für ein schöner Name für ein technisches Museum. Naja, eigentlich ist es das Museum für Wissenschaft und Technologie Leonardo da Vinci, beheimatet im schönen Mailand. Das 1953 eröffnete Museum ist das Größte seiner Art in Italien. Sicherlich bin ich kein wirklicher Freund dieser Mix-Museen, aber…die Eisenbahnabteilung sollte nicht zu unterschätzen sein! Na schauen wir mal, ob ich diese Euphorie weitergeben kann. Ob man nun unbedingt nach Mailand muss, nun, das sollte jeder für sich entscheiden. Zumindest ein Tagesbesuch sollte man schon einplanen. Bologna, Verona, Venedig, Turin (Auswahl), ja selbst die südliche Schweiz bieten sich als Ausgangspunkt an. Die italienische Eisenbahn (aus der Schweiz die SBB) mit ihren Expresszügen machen es möglich!  Gut schon diese Züge sind eine Reise nach Italien wert (wenn das Goethe gewußt hätte). Wenn man nicht auf den letzten Cent schauen muss, dem ist die ‚Executive‘ Klasse empfohlen. Eine komplett neue Erfahrung für den ICE Fahrer!  

Sicherlich ist Mailand vor allem für den Dom oder die Galeria Vittorio Emanuele II bekannt, aber auch der Hauptbahnhof Milano Centrale ist eine Besichtigung wert. Nähere Betrachtungen zu Stadt und Bahnhof habe ich an dieser Stelle schon einmal zusammengefasst. Dort sind noch ein paar Bilder mehr. Aber wir wollen uns ja mit dem Museo nazionale della scienza e della tecnologia Leonardo da Vinci beschäftigen (immer noch ein schöner Name). Die Idee zu diesem Museum gehen bis in das Jahr 1906 zurück. In diesem Jahr fand in Mailand anlässlich der Eröffnung des Simplon Tunnels eine Weltausstellung statt. Interessant ist, dass die unterschiedlichen Ausstellungsflächen mit einer elektrischen Hochbahn verbunden waren. Aber eine Idee ist eben nur eine Idee… Weiter ging es erst 1930 und dann immer eine wenig sporadisch, wurde mal hier eine Forschungsgruppe geschaffen, mal da eine Stiftung gegründet! Erst 1947 war man soweit, fand ein Gebäude, das Kloster San Vittore al Corpo. Das kriegsbeschädigte Gebäude aus dem 16.Jahrhundert wurde saniert und wieder auf- und umgebaut. 1953 konnte eröffnet werden, wenn auch in bescheidenen Maßen. Bis 1968 wurde weiter gebaut, eine Halle für die Eisenbahn, eine für die Luft- und Raumfahrt und die Ausstellungen erweitert. Heute besuchen jährlich 500.000 Besucher das Museum. Wenn ich diese Zahl mal mit dem technischen Museums in Berlin vergleiche, das gefühlt größer ist, ist das viel. Berlin hatte im gleichen Zeitraum 588.000! Aber egal. 

  • Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag 09:30 – 17:00 Uhr
    • Samstag – Sonntag 09:30 – 18:30 Uhr
  • Adresse: Museo Nazionale della Scienza e della Tecnologia „Leonardo da Vinci“, Via San Vittore 21, 20123 Milano
  • Übersichtskarte
  • Website offiziell

Rundgang Museo nazionale della scienza e della tecnologia

Fangen wir heute mal nicht am Anfang, sondern gleich in der Eisenbahnabteilung an! Was gibt hier mehr zu sehen als im italienischen Eisenbahnmuseum in Pietrarsa? Mehr geht ja eigentlich nicht, aber hier liegt in Mailand, nun, hier liegt der Fokus auf den norditalienischen Spezialitäten. Norditalienische Spezialitäten? Wer jetzt an Essen denkt, ist hier komplett falsch. Ich meine natürlich den Drehstrombetrieb der Eisenbahn. In diesem Fall Dreiphasen-Wechselstrom. Das hört sich heute nicht so besonders an, kennen wir doch alle diese Stromart aus der Küche (so man denn elektrisch kocht) bzw. jeder kann etwas mit dem Begriff Kraftstrom anfangen. Aber Anfang des letzten Jahrhunderts war man technisch bei weitem noch nicht soweit um diese Technik sinnvoll nutzen zu können. Was jetz aber nicht heißt, das man es nicht versucht hat. Der Versuch dauerte sogar 70 Jahre lang! Wie dem auch sei, ich will diese Technologie gr nicht weiter ausbreiten, denn das haben andere schon gemacht und ich meine, viel viel besser. Nachlesen kann man das hier: Drehstrom in Italien! Sicherlich sind im Museum in Pietrarsa auch diverse Lokomotiven ausgestellt, aber… Das Beste oder nichts. Schauen wir doch mal in den (hierher-/nachgebauten) Lokschuppen…

Beim genaueren hinsehen, finden wir auch mittendrin eine Gleichstrom Lokomotive! Nun Gleichstrom haben die ’normalen‘ Bahnen in Italien auch, aber diese hier wird mit einer Stromschiene betrieben. Bei S-/U-Bahnen ist dieser Antriebs-/Übertragungsart je sehr beliebt, aber auf freier Strecke? Ich habe das erst einmal gesehen und zwar auf der Linie Saint-Gervais–Vallorcine (Chamonix-Mont-Blanc). Da hab ich mich natürlich gefragt, wie das wohl bei Schnee funktionieren kann. Aber es scheint! Die hier zu sehende Lokomotive ist jedoch von der Strecke Ferrovie Varesine (Mailand–Varese–Porto Ceresio) Die Strecke wurde zu Versuchszwecken 1901/02 mit der Stromschiene ausgerüstet und wurde so bis Ende der 40iger Jahre auch so betrieben. Ob es sich bewährt hat? Kann ich nicht sagen, der Umbau erfolgte einzig zur Vereinheitlichung der Stromsysteme innerhalb des italienischen Netzes.

Und dann darf die gute alte Dampflokomotive natürlich auch nicht fehlen. Dazu will ich gar nicht viel sagen, einfach mal schauen…!

Was gibt es sonst noch? Flugzeuge!

Als Erstes (oder im Rundgang letztes) ist die kombinierte Luft-/Schifffahrtshalle (Luft und Wasser Transport Gebäude) zu erwähnen. Ja, Flugzeuge und Schiffe in einer Halle…auf sowas muss man auch erst mal kommen! Aber gut, so wird der Platz optimal genutzt. Und das, ohne das es voll oder überladen wirkt. Es gibt 11 Flugzeuge und einige Hubschrauber zu besichtigen, darunter den ersten italienischen Jagdflieger aus dem ersten Weltkrieg und eine Macchi MC205 aus dem Jahr 1942 (angeblich das Beste was die italienische Luftwaffe hatte) Im Außenbereich findet sich noch eine Fiat G.91. Die Hubschrauber Abteilung (so man, so will) schließt den Bogen zu Leonardo da Vinci. Hier wird die Entwicklung von seiner Idee/Skizze/Prinzip zur heutigen Zeit geschlagen. Entwicklungen/Erfindungen und der italienische Beitrag von Enrico Forlanini (1877) werden aufgezeigt und gewürdigt.

Schiffe!

Am beeindruckendsten ist natürlich die Kommandobrücke der Conte Biancamano! Von dem 1925 vom Stapel gelaufenen Atlantik Dampfer können auch noch der Festsaal und einige Kabinen besichtigt werden. Der Brigg Schoner Ebe von 1921 ist zwar nicht als ganzes in das Museum verbracht worden, aber als solches zu sehen. Wie das 1964 von statten ging, ob erst das Schiff oder das Gebäude da war, entzieht sich meines Wissens. Laut Eigenaussage, ist es eines der größten Schiffe, die innerhalb eines Museums zu finden sind! Klar, Highlights sind immer schön und wer kann das schon prüfen. Wir können noch allerlei anderen Kram, unter anderen ein viertel Schiff und ein Ein-Mann U-Boot (Torpedo?) und sind eigentlich durch. Im Außenbereich findet sich noch, der ganze Stolz des Museums (nein Halt, das war das Mondgestein…oder?) ein richtig großes U-Boot! S506 ‚Enrico Toti‘ war 1967 das erste U-Boot, das in Italien nach dem zweiten Weltkrieg gebaut wurde (zumindest nach Museumsdarstellung, laut Wikipedia, war es das Zweite). Es sollte den ‚bösen Russen‘ im Mittelmeer in Schach halten, was es, ob nun mit oder ohne Erfolg, bis 1997 tat. Wer Muße hat, kann es von innen besichtigen! Mein Interesse hielt sich derart in Grenzen, das ich nicht einmal ein Foto vorzuweisen habe!

Rest

Nun kommen wir zu Anfang des Rundganges zurück! Natürlich gibt es noch viel mehr zu sehen, aber, ich kann und will an dieser Stelle nicht auf alle Abteilungen ein gehen. Hier noch eine kleine Auswahl und dann soll es genug sein.

Fazit

Alles im allem ist das Museum seinen Besuch wert. Für den Nicht- Eisenbahn, Flugzeug oder U-Boot Freund ist es natürlich schwer, sich an einem Regentag in Mailand gerade für ein technisches Museum zu entscheiden, gibt es doch so viel anderes zu entdecken. So man aber drei Kinder beschäftigen muss, ist das hier die richtige Wahl. Für mich fehlt in diesem Museum, so etwas wie ein roter Faden, es wirkt(e) alles ein wenig ungeordnet. Aber, und das ist positiv, es ist nicht so überladen wie andere Museen, obwohl auch nicht  so viel Platz zur Verfügung steht. Noch einmal zusammengefasst, es gibt nichts zu Meckern! Und das ist doch auch mal was!

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