Millennium U-Bahn Museum

Budapest, die schöne Stadt an der Donau (zumindest wo die Touristen unterwegs sind) ist sicher immer eine Reise wert. Für den eisenbahninteressierten Reisenden finden sich hier sogar vier Museen, die sich mit schienengebundenen Verkehr beschäftigen. Da haben wir zuerst das U-Bahn Museum (Millenniumi Földalatti Vasút), dann den bahnhistorischen Park (Magyar Vasúttörténeti Park), also das doch recht große ungarische Eisenbahnmuseum, das städtische Nahverkehrsmuseum der BKV in Szentendre (Városi Tömegközlekedési Múzeum) und das Verkehrsmuseum (Közlekedési Múzeum), das gerade umgebaut wird. Oben bemerkte ich ja eingeschränkt , das Budapest eine schöne Stadt ist, aber es ist nun kein Ort, wo man mehrmals hin muss. Um so ärgerlicher ist es, wenn dann eins der oben genannten Museen einfach so mal zu hat, obwohl es eigentlich offen haben müsste/sollte… passiert mit dem bahnhistorischen Park, der laut Website offen haben sollte, aber dann doch nicht hatte. Zwar bin ich immer noch ein wenig ärgerlich, bin so aber die Erfahrung reicher geworden, wie es um die Strassen in der ungarischen Hauptstadt bestimmt ist. Der doch recht neue MB Schubgelenkbus wurde ob der Schlaglöcher bis in seine Grundfesten erschüttert. Ich wusste bis dahin gar nicht, das ein moderner Bus derart klappern kann und zu guter Letzt fiel sogar das Display aus. Naja, das Museum hatte trotzdem zu!

Budapest

Zwei Weisheiten hat mir der Fahrer, der mich vom Flughafen zum Hotel brachte, mit auf den Weg gegeben. Erstens, in Budapest gibt es keine zwei gleichen Häuser und die vielen Restaurants in den Touristenbereichen sind, nun, sagen wir mal zu gewinnorientiert. Aber gut, ist das so! Mein Hotel reisst aber alles wieder raus, freundliches Personal, schöne Zimmer (mit Ausblick), gutes Essen. Trotzdem es in einem recht hässlichen 90iger Jahre Kasten untergebracht ist (klar sind die auch gewinnorientiert, aber Preis-Leistung stimmen zumindest) Läuft oder fährt man ein wenig die Donau hoch (oder runter, das habe ich noch nie begriffen), fallen sofort die Donaubrücken ins Auge, die es zu besichtigen gilt. Weiter sollte man die Markthalle ebenso wenig versäumen, wie die Burg und dabei die Fahrt hinauf mit der Standseilbahn (Budavári Sikló).

Die Standseilbahn (Budavári Sikló)

Die Bahn wurde 1870 eröffnet und im letzten Weltkrieg zerstört. Ab 1983 wurde sie nach Originalplänen wieder aufgebaut und steht seit 1986 wieder dem Personenverkehr zur Verfügung. Die Bahn überwindet auf rund 100 m Länge 51 Höhenmeter.

Die Bahnhöfe

Sicherlich kann man Budapest von Deutschland oder Österreich auch gut mit dem Zug erreichen, für mich sind 11 1/2 Stunden von Berlin jedoch zu fett (Ja, es fährt ein(!) Zug durch). Die Bahnhöfe Keleti und Nyugati sollte man sich trotzdem anschauen. Zumindest die Hauptsichtachsen sind hübsch hergerichtet. Schaut man ein wenig genauer hin, naja, findet man auch die dunklen Ecken. Wenn man sich die Zeit nimmt und den Bahnbetrieb auf den Bahnhöfen beobachtet, kann man schnell eine Aussage darüber treffen, welchen Stellenwert die Eisenbahn in Ungarn hat…

Die Metro

Doch kommen wir zurück zu unserem eigentlichen Thema, dem Millennium U-Bahn Museum und der jetzigen U-Bahnlinie M1, der zweiältesten U-Bahn Europas (oder wenn man so will, der ältesten auf dem europäischen Festland). Offiziell heißt die Budapester U-Bahn heute zwar Metro, es ist aber nicht nach vollziehbar, warum. Selbst auf der offiziellen Seite des Betreibers heißt es U-Bahn (nur im deutschen Teil) Heute gibt es vier Linien, wobei die Linien M2-M4 eher an bekannte Bahnsystem erinnern als die M1.

Diese Linie ist etwas speziell. Gebaut wurde sie in Vorbereitung der Feiern zum 1000jährigen Jubiläum der Staatsgründung Ungarns (Millennium Feier). Eigentlich wollte man eine Straßenbahn bauen, aber wie überall wurde durfte der damalige und heutige Prachtboulevard (heute Andrássy út) nicht mit Oberleitungen verschandelt werden. Und so kam Siemens&Halske mit seinem (eigentlich für Berlin bestimmten) Projekt einer Unterpflasterbahn gerade recht. Nach nur 2 Jahren Bauzeit wurde die Strecke am 2. Mai 1896 pünktlich(!) zu den Feiern eröffnet und am 8. Mai von Franz Joseph I., dem ungarischen König (und österreichischen Kaiser) eröffnet. Die Bahn selbst, die hervorragend im Ursprungszustand saniert wurde, weicht von den uns bekannten Normen ab. Die Züge sind kurz und vor allem niedrig. Die Tunnel der Bahn weisen nur eine lichte Höhe von 2,85 m auf. Das liegt daran, das man die Strecke über einem Abwassersammelkanal bauen musste. Fahren sollte man mit der Bahn auf jeden Fall ab/bis der Endstation ‚Vörösmarty tér‘. Zwischen dieser Station und der nächsten, ‚Deák Ferenc tér‘, werden einige abenteuerliche Kurven absolviert.

Die Station ‚Deák Ferenc tér‘ beherbergt auch auf einem alten Tunnelabschnitt das U-Bahn Museum. Es ist jedoch nicht direkt vom Bahnsteig der Linie M1 zugänglich, sondern versteckt im Zwischengeschoss zu den restlichen U-Bahnlinien. Es gibt zwar ein paar Hinweisschilder, die aber mehr verwirren als helfen. Selbst wenn man direkt davorsteht, fällt es schwer, das Museum zu erkennen. Es befindet sich hinter bzw. im Kundenzentrum der Budapester Verkehrsbetriebe! Da die Station ‚Deák Ferenc tér‘ nicht nur von der M1, sondern auch von den Linien M2 und M3 sowie von einigen Straßenbahnlinien angefahren wird, brauchen wir über Parkplätze in diesem Zusammenhang wohl nicht reden.

Millennium U-Bahn Museum / Millenniumi Földalatti Vasút

  • Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10:00 – 17:00 Uhr
  • Adresse: Budapest, Erzsébet tér 14, 1051 Ungarn
  • Website offiziell

Das Museum

Um es mal gleich vor weg zu nehmen, groß ist es nicht, das U-Bahn Museum, aber, es besticht durch die gelebte Geschichte. Das Museum selbst ist ein technisches Denkmal, da es sich in einem Teilstück des Originaltunnels befindet. Im Zuge des Umbaus des ‚Deák Ferenc tér‘ zum U-Bahn Knoten wurde dieser Abschnitt 1955 stillgelegt. Seit dem 28. Oktober 1975 befindet sich hier das U-Bahn Museum. Im Jahr 1996 wurde die U-Bahn Linie M1, sowie das Museum in Vorbereitung der Feiern zum 100jähirgen Jubiläum der Eröffnung der Linie generalüberholt. Ich denke mal, seit diesem Zeit wird auch der Zusatz ‚Millennium‘ verwendet. Im Vorraum des Museum freuen sich zwei ältere Frauen über jeden, der, ich glaube nicht gerade zahlreichen Besucher. Naja, oder vielleicht stören die Besucher auch nur, so richtig habe ich die Mimik nicht deuten können. Zumindest klang das, was mir die Damen mit versteinerter Miene in ihrer Muttersprache mit auf den Weg gaben, eher gelangweilt. Im Eingangsbereich erwarten uns, heute hinter Puppen mit Uniformen bekleidet, versteckt, die ursprüngliche Wandverkleidung der innerstädtischen Endstation ‚Gizella Tér‘ (heute ‚Vörösmarty tér‘). Im Eingangsbereich ist die ursprüngliche Tunnelform nicht mehr vorhanden, da hier ein Kanal in der Decke den Raum kreuzt.

Die Fahrzeuge

Kommen wir als nächstes zu der Hauptattraktion des Museum, den Fahrzeugen. Heute gibt es drei zu besichtigen, die Triebwagen 1 und 19 von 1896 (vor und nach Umbau in den 20iger Jahren) und den Steuerwagen 81 (gebaut Ende der 50iger Jahre) Die Wagen sind übrigens nicht aus eigener Kraft hierher gekommen, sondern wurden durch die hierfür geöffnete Tunneldecke herabgelassen. Interessant ist der, auf den ersten Blick erkennbare, Schwanenhalsrahmen. Auf den ersten Blick nicht erkenntlich, sind die (unnormalen) Drehgestelle mit einer großen, angetriebenen Achse und einer kleinen Laufachse. Alles war bedingt durch das ‚kleine‘ Licht-Raum-Profil, das durch die Überfahrung eines der Hauptabwasser Kanäle der Stadt an der Station ‚Oktogon‚ bedingt war.

Der Rest

In den Vitrinen an der gegenüberliegenden Wand werden viele Modelle und Originaldokumente zur Einsicht ausgestellt. Es wird, doch recht ausführlich die Geschichte, Bau, Technik und Architektur der Strecke in ungarisch und englisch dargestellt. Vielleicht war das mal anders und die Ausstellung auch in deutscher Sprache beschriftet, habe ich doch zufällig in einem Antiquariat nahe Berlin ein Begleitheft zum Museum gefunden, das in der Hauptsprache Deutsch verfasst ist. Dies werde ich dem Publikum nicht vorenthalten, näheres sieht weiter unten.

Hier noch der Museumsführer zum herunterladen:

Fazit

Na klar kann man jetzt sagen, warum mache ich für ein 60m langen und 6m breiten Museum so eine Show? Weil auch kleine Dinge den interessierten Besucher erfreuen. Sicher, extra wegen dem Museum nach Budapest zu kommen, wäre ein wenig zu viel des Guten. Doch wenn man die schienengebundenen Attraktionen zusammen nimmt, reicht es für zwei volle Tage. Und das, dass ist schon eine Empfehlung wert. Also Daumen hoch (ganz hoch)!

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