Porto

Eigentlich wollte ich ja mit ‚vergesst Barcelona, Porto ist das neue Lissabon‘ beginnen, fand es dann aber doch ein wenig zu weit hergeholt. Sicherlich gibt es Menschen, die sich in Barcelona verliebt haben, ich persönlich, mal von den Luft-/Standseilbahnen und dem Parc d’Atraccions Tibidabo abgesehen, kann an dieser Stadt nichts finden. Sorry! Das sieht in Lissabon sicherlich schon anders aus, aber Porto setzt sich hier auch noch einmal ab. Sicherlich war und ist Lissabon immer noch die wichtigere Stadt, doch Porto holt auf, sei es bei den Besuchern und auch bei der Wahl des Lebensmittelpunktes der Portugiesen. Das liegt vor allem daran, das im Gegensatz zu Porto, dem wichtigsten Wirtschafts- und Industriezentrum des Landes, sich in Lissabon vor allem die Dienstleistungsindustrie konzentriert hat. Dies bedeutet Zuzug von gut bezahlten Fachkräften auch aus dem Ausland und damit unter anderem steigende Mieten, also dem leidigen Thema, dem jede Dienstleistungsmetropole zu Opfer fällt.

Auffällig in Porto ist der Mix zwischen schmalen Gassen mit alter Bebauung und den repräsentativen, vermeintlich, alten Gebäuden. Beispielsweise ist der Entwurf für das doch monumentale Rathaus aus dem Jahr 1916, die Fertigstellung erfolgte jedoch erst 1955. Man könnte vermuten, dass sich die Stadt erst Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts zu heutigen wirtschaftlichen Stärke aufgeschwungen hat.

Stadt der Brücken?

An einer Stelle habe ich gelesen, das Porto die Stadt de Brücken wäre. Naja, ich finde fünf Brücken (eine mit zwei Fahrbahnen), machen jetzt keine Brückenstadt aus, aber es gibt hier zwei wirklich interessante zu besichtigen. Erst einmal eine stillgelegte Eisenbahnbrücke, die Ponte Maria Pia. Diese interessante Fachwerkbrücke wurde von Gustave Eiffel erbaut. Projektiert wurde sie jedoch von seinem damaligen Partner Seyrig. Die ersten Züge aus Richtung Süden konnten sie 1877 passieren. Die zweite spektakuläre Brücke in Porto, die Ponte Dom Luis I wurde 1881 begonnen und 1886 dem Verkehr übergeben. Hier war nun Seyrig mit einer eigenen Firma für Projekt und Bau verantwortlich. Der Verkehr ist auf zwei Ebenen möglich, der obere Bereich wird seit Sperrung für den Straßenverkehr nur noch von Fußgängern und der Metro genutzt.

Besser als Lissabon?

Wo man sich umschaut, Porto will es irgentwie besser machen als der große Bruder Lissabon. Ich habe gelesen, das „Porto will keine Portugiesen, sondern Touristen“, das wollte Lissabon auch „und dafür macht sich die Stadt (Porto) zum Museum!“ auch hier folgt man der Hauptstadt… Ich meine, man hat enge Gassen (älter als Lissabon), steile Hügel (mehr als Lissabon) und alte Straßenbahnen. Hier gibt es gar keine regulären Linien mehr, sondern gleich drei ‚Touristen‘ Strecken! Das ist insofern interessant, als das wir hier nicht nur eine Rundfahrt haben, sondern ein Netz von aktuell 8,9 km Länge. Hier ist man also der Hauptstadt weit voraus. Aber, der Erfolg der Porto Tram City Tour, wie es neu Portugiesisch heißt, gibt Ihnen recht. 2018 wurden mit den 6 täglich eingesetzen Fahrzeugen rund 745.000 Passasiere befördert (2017 729.000 / 2016 622.000) womit Einnahmen von 2,49 € pro Passasier erzielt wurden. Die Busse der Stadt kamen dagegen im gleichen Zeitraum auf 0,63 €. Lohnt sich also, die Straßenbahn zu betreiben? Laut Geschäftsbericht 2018, ja! Dort stehen den Ausgaben für Tram und Museum von 1.469.000 € Einnahmen in Höhe von 2.173.000 € gegenüber. (Was in den Kosten verbucht ist, ließ sich leider nicht ermitteln) Das ist schon was, 32% Umsatzrendite! Dem Museum werde ich einen eigenen Betrag widmen. Hier werde ich auch näher auf die Geschichte der Straßenbahn in Porto eingehen.

Fakten

Also bleiben wir in der Gegenwart. Es werden zur Zeit 3 Linien unter dem Namen Porto Tram City Tour vermarktet. Die Linie 1 führt von der (unteren) Innenstadt parallel des Douro zur Mündung des Flusses in den Atlantik. Die Linie 18 verbindet die Linie 1 mit der Innenstadtlinie 22. So wird eine Gesamtstrecke von knapp 9 km erreicht. Für jede Fahrt sind 3,50 € (Rückfahrkarte 6 €) fällig, wobei in der Innenstadt zwar visuell ein Rundkurs angeboten wird, man jedoch an der Endstation aussteigen und neu bezahlen muss. Dies bedeutet, dass, wenn alle Strecken abgefahren werden sollen 15,50 € fällig sind. Dem kann man mit der Zweitageskarte entgegen treten. Hier werden nur 10 € verlangt und man bekommt im Tram Museum noch einen 50 %igen Rabatt.

  • Strecken (aktuell):
    • Linie 01 Infante – Passeio Alegre
    • Linie 18 Massarelos – Carmo
    • Linie 22 Carmo – Batalha
  • Streckenlänge (aktuell): 8,9 km Normalspur 1435 mm
  • Eröffnung: 1872 (Pferdebahn), 1878 (Dampf), 1895 (elektrisch), 1996 (Porto Tram City Tour)
  • Stilllegung: 1904 (Pferdebahn), 1914 (Dampf), 1996 (elektrisch)
  • Stromsystem: 600 Volt Gleichstrom
  • Fahrzeiten: ganzjährig täglich nach Fahrplan
  • Website offiziell / Porto Tram City Tour Info

Linie 1 Infante – Passeio Alegre

Diese Strecke ist die Längste im Netz. Sie beginnt in Infante nahe der unteren Innenstadt und der Brücke Dom Luis und folgt dem Lauf des Douro bis zu seiner Mündung in den Atlantik. Sommer wie Winter fährt die erste Bahn um 09:30 Uhr ab, nur die letzte Ankunft unterscheidet sich (Sommer 20:03 / Winter 19:03). Die Linie 1 verkehrt über den Tag alle 20 min. In Fahrtrichtung Passeio Alegre sollte man einen Platz auf der linken Seite wählen. Ich habe gelesen, und dem muss/will ich zustimmen, man sollte nur mitfahren, wenn man sicher einen Sitzplatz findet. Stehen sollte man vermeiden, da man einfach nichts sieht… Am Endpunkt erwartet einen viel Wind, hier trifft der Atlantik direkt auf die Küste. Könnte mir vorstellen, das die Mole sich bei richtigem Wind recht imposant darstellt. (Kann ich mir nur vorstellen, da (natürlich) bei meinem Besuch die Sonne schien). Nach einem ausgiebigen Spaziergang, sollte man die Rückfahrt an der Station Massarelos unterbrechen. Hier findet sich das Museu do Carro Eléctrico, das Tram Museum von Porto. (Auf den Übersichtsplänen findet sich die Station Massarelos nicht, dafür das Museum) Dieses Museum ist zwar nicht groß (klein aber auch nicht), ist aber eins der schönsten Straßenbahnmuseen, die ich bisher besucht habe. Siehe dazu den Artikel über das Museum… Weiter geht es ab hier nicht mit der Linie 1 sondern mit der 18 in die (Ober-) Stadt.

Linie 18 Massarelos – Carmo

So richtig spektakulär ist die Strecke jetzt nicht, aber, sie bringt uns den Berg hinauf. Und das ist wichtig in Porto, da die Stadt in mehreren Ebenen bebaut ist. Es gibt aber für alle Faulen eine gute Nachricht, es gibt immer einen einfachen Weg nach oben, sei es die Seilbahn, eine Kabinenbahn, die sich neben der Brücke versteckt oder eben die hier befahrende Linie 18. Gefahren wird täglich von 08:15 – 19:45 Uhr im 30 min Takt (von Carmo / Umsteigepunkt zur Linie 22). Höhepunkt der Fahrt ist zweifellos die Endstation Carmo mit der Igreja do Carmo also die Kirche des ehrwürdigen Dritten Ordens von Nossa Senhora do Carmo. Ja, hier sind die Namen etwas länger… Wir steigen hier um in die Innenstadtlinie 22.

Linie 22 Carmo – Batalha

Auf dieser Linie erwartet den Passagier eine spektakuläre Fahrt durch die engen Straßen der Innenstadt. Vom Carmo geht es zuerst recht steil die Straße hinab zum Praca da Liberdade, um dann gleich wieder den Berg zu erklimmen. Man verkrampft automatisch, will der Bahn nach oben helfen, aber die benötigt die Hilfe nicht. Nicht einmal das Geräusch der Fahrmotoren ändert sich nicht. An der Endstation Batalha kann man mit der Kabinenbahn zum Fluss hinunter (und wieder hinauf). Da die Linie 22 ist als Rundkurs angelegt ist, geht es auf einem anderen Weg zurück. Auch wenn hier wieder munter die Hügel bewältigt werden, so ist doch (für manche) das Highlight, mit der Bahn im ganz normalen Stau festzustecken! Naja muss man mögen, man kann auch einfach neben der Bahn herlaufen und kann ein paar schöne Bilder machen… Die Bahnen verkehren im 30 min Takt zwischen 09:15 und 19:15 Uhr (Carmo).

Fazit

Ich muss zugeben, das mir Porto gefallen hat. Nicht unbedingt besser als Lissabon, irgendwie anders. Ob die Straßenbahnen im Sommer genau soviel Spaß machen, wie im Winter? Ausprobieren will/werde ich das nicht! Aber sonst, Porto hat was, der Fluss, die Brücken, der Alkohol, (die Hügel). Die Straßenbahnen werden professionell ganzjährig, ganztägig vermarktet. Das ist schön zu sehen, aber ich glaube, hier ist auch der Endausbau erreicht, mehr Strecken wird es wohl nicht geben. So man einen Tagesausflug ab Lissabon plant, funktioniert das sogar mit dem Zug. (Kann ich nur empfehlen). Für mich kann und werde ich Portugal jetzt abschließen. Habe alles gesehen, was auf Stahlrädern so daher kommt…

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