Das städtische Nahverkehrsmuseum Budapest (Városi Tömegközlekedési Múzeum) befindet sich etwas außerhalb von Budapest in Szendendre. Es ist eines der vier Museen in Budapest, die sich mit Themen des Schienenverkehres befassen. Nachdem ich der Stadt selbst und der Metro / U-Bahn schon einen Beitrag gewidmet habe, siehe UNGARN – Millennium U-Bahn Museum und der Bahnhistorische Park mit einer freien Auslegung der bekanntgegebenen Öffnungszeiten glänzte und das Verkehrsmuseum wegen Umbau geschlossen hat, können wir uns dem oberirdischen Nahverkehr in Budapest bzw. Ungarn zu wenden. Interessant für mich, war die Tatsache, das es überhaupt ein Museum für den Nahverkehr gibt. Auf meiner Lieblingswikipedialiste der Eisenbahnmuseen der Welt, fehlt dieses Museum.

Sicher hat Budapest alles was es im städtischen Nahverkehr so gibt, normale Busse, Trolleybusse, eine Metro, Straßenbahnen in Neu, in Alt, in Tatra, eine Standseilbahn und einige Vorortstrecken (S-Bahn will ich nicht sagen) Die Budapester Verkehrsbetriebe (BKV) haben alle Hände voll zu tun mit dem täglichen Wahnsinn, den jede Großstadt befällt, wenn der Berufsverkehr einsetzt. Hinzu kommt, das zwar viele neue Busse unterwegs sind, ich aber aus eigenen Erleben erfahren habe, wo hier das Problem ist, die Infrastruktur! Ja, die Straßen sind abseits der Touristenwege wirklich nicht für normale Straßenbusse westlicher (deutscher) Hersteller geeignet. Sowas hab ich noch nicht erlebt, alles hat geklappert. Alle Klappen, Abdeckungen etc. waren in Bewegung. Selbst das Display, das zwar fest mit dem Fahrzeug verbunden war, zeigte Ausfallerscheinungen, erst Flimmern, dann Streifen und dann hatte es genug und ging einfach aus! Die Straßenbahn sind mit recht unterschiedlich alten Fahrzeugen ausgerüstet, aber es läuft. Vor allem die Strecken entlang der Donau sind recht interessant, hier aber auch, wenn man zu Fuß nebenhergeht, da die Strecke, ich weiß nicht, ob man das so sagen kann, teilweise auf einem Viadukt verläuft. Die Experten der Verkehrsbetriebe können aber noch mehr. Eigentlich ‚Normale‘ Linien werden als thematische Routen für Touristen angeboten, so die Linie 2 und die Linien 4/6. Siehe hier! Das gefällt mir, zeigt doch die BKV nicht nur mit dieser Idee, sondern auch mit dem Betrieb des U-Bahn und des Nahverkehrsmuseum, das man das Potential historischer Technik (und deren touristischen Vermarktung) erkannt hat.

Anreise Museum

Wie oben schon beschrieben, befindet sich das städtische Nahverkehrsmuseum Budapest doch etwas außerhalb der Stadt in Szendendre. Dies ist gleichzeitig die Endstation der Vorortstrecke H5 die am Bahnhof ‚Batthyány tér‘, gegenüber dem Parlament an der Donau gelegen, beginnt. Die fünf Linien der Budapester Lokalbahn gehörten bis 2016 zur städtischen BKV, nun ist die MÁV-HÉV (Helyiérdekű Vasút Zártkörűen Működő Részvénytársaság / übs. ‚Lokalbahn GmbH‘) der Betreiber, die ihrerseits eine Tochtergesellschaft der ungarischen Eisenbahn MAV ist. Im Gegensatz zu den ’normalen‘ Regionalzügen der MAV, wo wir die allgegenwärtigen Stadler FLIRT Wechselstrom Fahrzeuge eingesetzt werden, finden wir auf den Zügen der Lokalbahnen 1000 Volt Gleichstrom und nicht ganz so neue Fahrzeuge. Die hier eingesetzten Züge Typ MXA (nur in ungarisch) wurden 1975-1983 vom LEW Hennigsdorf bei Berlin geliefert. So ich das überblicke, fahren diese Züge zumindest im Äußeren noch im Originalzustand. Eine Neuanschaffung ist für die nächsten 10 Jahre nicht geplant. Das Lokalbahnnetz in Budapest ist ein Zusammenschluss von ehemaligen Kleinbahnen, die frei über Budapest verteilt sind. Die Linien werden mit H aus ‚Helyiérdekű Vasút‘ bezeichnet. Das Schema der Nummerierung folgt den Liniennummern der Metro (also M1-M4 und H5-H9).

Der Bahnhof ‚Batthyány tér‘ der M5 ist seit 1972 der Endpunkt der Strecke in der Stadt und gleichzeitig Umsteigepunkt mit der Metrolinie M2 und den restlichen öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Strecke ist heute 21 km lang und wurde zwischen 1888 und 1895 eröffnet. Die Züge verkehren im 20min Takt. Gut zu wissen ist, das die Bahn die Budapester Tarifgrenze überschreitet, so dass ein Zusatzfahrschein nötig ist. Die Fahrt dauert ca. 40min. Das Museum findet sich, wenn man den Bahnhof Szendendre in Fahrrichtung rechter Hand verlässt und einige Meter zurückläuft. Der Eingang ist wirklich ein wenig unscheinbar.

  • Öffnungszeiten:
    • 1. April – 31. Oktober
    • Dienstag – Sonntag 10 – 17 Uhr
  • Adresse:
    • Szentendre, Dózsa György út 3, 2000 Ungarn
  • Website offiziell

Das städtische Nahverkehrsmuseum Budapest

Am 14. Juli 1992 öffnete, laut Website des Betreibers, die ‚industriegeschichtliche Fachsammlung namens Städtisches Öffentliches Nahverkehrsmuseum‘, heute in städtisches Nahverkehrsmuseum Budapest um benannt Die im Jahr 1914 erbaute Remise der Bahn nach Budapest wurde dafür umgebaut und erweitert. Heute sind ca. 60 restaurierte Fahrzeuge zu bewundern. (und ein paar die noch die Restauration erwarten) Das städtische Nahverkehrsmuseum kann grob in vier Bereiche eingeteilt werden. Ein Bereich beschäftigt sich mit der Geschichte der ungarischen Lokalbahnen, ein Bereich ist den Budapester Bussen, ein anderer deren Straßenbahnen gewidmet und nicht zu vergessen, die Ausstellung im Freigelände.

Raum Geschichte der ungarischen Lokalbahnen

Wenn man den Raum betritt ist man sich im ersten Moment überhaupt nicht bewusst, welche Arbeit hinter diesem Ausstellungsbereich stecken musste. Erst mal denkt man, ach nur ein paar Bildständer… So man sich aber in den Raum bewegt, sieht man die Vielzahl der alten Fotographien und Dokumente, die wohl jede Stadt, jede ungarische Lokal-Kleinbahn darstellt, wo sich je ein Rad auf einer Schiene gedreht hat. Fasziniert taucht man in die Geschichte ein, kann anhand der Bilder nachvollziehen, was wann wo passiert ist. Ja, genau, die Texte lesen (naja lesen vielleicht), besser verstehen können leider nur Leute die des ungarischen mächtig sind, andere Sprachen sind leider nicht vorhanden. Vielleicht sogar besser, da so mehr Bilder an die Bildständer gepasst haben. Also, keine Angst, die Bilder sind es alle Male wert, angeschaut zu werden.

Übergang

Diesen Raum würde ich nicht als Bereich bezeichnen, jedoch sollte er doch Erwähnung finden. Hier gibt es Exponate der Infrastruktur zu inspizieren. Heißt, Dinge der Stromversorgung, des Gleisbaus etc. Zum Abschluss folgt noch ein originaler Teil der Betriebswerkstatt mit einige Maschinen.

Raum der Busse

Hier erwarten den Besucher nicht nur eine große Anzahl an historischen Bildern und Dokumenten, auch ‚richtige‘ Busse stehen dicht gedrängt zur Besichtigung zur Verfügung. Es sind ein Trolleybus, sowie einer der ersten ungarischen Omnibusse mit selbst tragender Karosserie zu bewundern und natürlich ist auch der, vor allem Besuchern aus Ostdeutschland wohlbekannte IKARUS Bus allgegenwärtig. Einige Bauteile runden diesen Ausstellungsraum ab.

Die große (Straßen-)Bahn-) Halle

Warum diese doch recht merkwürdig anmutende Überschrift. Natürlich dominieren die Straßenbahnen diesen Ausstellungsraum, doch finden sich hier noch ganz andere Schätzchen. Wenn man den Raum betritt, dominiert zuerst eine Dampflok einer Lokalbahn den Raum. Dieses Fahrzeug ist im Jahr 1887 in Dienst gestellt worden und ist somit das älteste Exponat der Ausstellung. Das zweitälteste Fahrzeug, eine Straßenbahn aus dem Jahr 1897 (Ausführung 1906) fällt als nächstes ins Auge und dann, und dann… den Abschluss bilden (Schnee-) Räumfahrzeuge. Alle Fahrzeuge befinden sich in einem hervorragenden Erhaltungszustand. Blöd nur, das man nur kucken und nicht lesen kann! Aber egal, wie man den Bildern entnehmen kann:

Das Freigelände

Jaaaaa… hier wird die Sache echt kompliziert. Trotz umfangreicher Nachschau, ist es mir nicht in jedem Fall gelungen, die Fahrzeuge zu identifizieren und weiterführendes Wissen zu generieren. (mittlerweile kann ich fast ungarisch) Aber schauen wir erstmal, was ich so halbwegs ermitteln konnte. Da wären der Triebzug MIX/A (1963-66), dem Vorgänger der oben beschriebenen Baureihe MXA und der Prototyp des neu geplanten Metrozuges der Fa. Ganz aus dem Jahr 1983… Das ist interessant, der Russe wollte nicht, das LEW Hennigsdorf (ja fast schon der Hauslieferant der Budapester) konnte nicht und so kam die altehrwürdige Fa. Ganz zum Zuge. Zur Serienfertigung kam es aus zwei Gründen nicht. Erstens kein Geld und zweitens waren die Fahrzeuge. naja, nicht frei von Fehlern (und von Rost).

Nun kommen wir zu den wirklichen Schätzchen. Da wären die DL41 und DL42. Man findet nichts, aber auch gar nichts über diese Maschinen. Also bleiben nur die Informationen von den kleinen Aufstellern, die vor den Maschinen platziert wurden. Und ob ich das richtig verstanden habe, wer weiß das schon… Also die DL41 wurde 1912 als Ellok gebaut und 1932 mit einem zusätzlichen Dieselmotor ausgerüstet. Der Elektroantrieb war weiter nutzbar. Das ist soweit klar, gibt auch ein kleines Bild, wo der Stromabnehmer zu sehen ist. Bei der DL42 muss das zumindest ähnlich verlaufen sein. Baujahr 1917, umgebaut 1925. Die 7400 ist eine dieselelektrische Lokomotive aus dem Jahr 1943. Die kleine, der E44 nicht unähnliche Ellok wurde von der Firma Ganz im Jahr 1929 gebaut… Mehr weiß ich leider nicht, und ich habe mich wirklich redlich bemüht. Und der Rest? Einfach mal schauen.

Fazit

Ich bin schon recht beeindruckt, was ein wirtschaftlich denkendes Unternehmen so auf die Beine stellen kann. Das Museum ist äußerst interessant gestaltet und die Fahrzeuge in tadellosen Zustand, sieht man von denen ab, die auf ihrer Restauration warten. Aber das wird schon. Was ich mir wünschen bzw. ich anregen würde, wären einige kurze Erläuterungen an den Exponate in (zumindest) Englisch. Es ist echt schwer, im Nachgang Informationen zu den Fahrzeugtypen zu recherchieren. Und so kann man sich auch ein wenig internationaler Aufstellen. Die zweite Geschichte, macht mehr Werbung für das Museum. Ich habe es nur zufällig gefunden! Nicht einmal im U-Bahn Museum, obwohl der selbe Betreiber, gab es den kleinsten Hinweis in diese Richtung. Wie wäre es mit einem Kombiticket incl. Anreise? Noch weiter kann man die Besucher dann nicht in die richtige Richtung schubsen…

Mit diesem Beitrag schließe ich Budapest erst einmal ab. Lasse eine schöne Stadt mit interessanten Attraktionen für den eisenbahninteressierten Besucher hinter mir. Sicherlich, es gäbe da noch den bahnhistorischen Park zu erkunden, aber dafür extra noch einmal zu kommen, würde sich dann doch nicht lohnen. Vielleicht passt es, wenn das Budapester Verkehrsmuseum nach dem Umbau wieder eröffnet, aber wann wird das sein? Die Planungen für das neue Ungarische Verkehrsmuseum sehen zumindest vielversprechend aus…

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