London Transport Museum

Ich liebe ja durchaus Superlative, doch wenn Museen damit werben „The world’s leading museum…“ von irgendwas zu sein, werde ich immer ein wenig misstrauisch. Vor allem, wenn man das eigentlich gar nicht nötig haben sollte. Aber gut, ich habe einen regnerischen Tag genutzt, um endlich mal wieder das London Transport Museum zu besichtigen. Sicher, es war nicht mein erster Kontakt mit diesem Haus, aber die Ausstellung hatte ich mehrere Jahre nicht mehr besucht. Was jetzt aber nicht heißen soll, das ich nicht trotzdem am Gebäude war. Denn immer wenn ich in London bin, lockt mich der Museumsshop in seine Tiefen. Hier gibt es, glaube ich jedes Eisenbahn-; Metro-; Bahnhofs-; Bus- Transportbuch, das gerade im Handel erhältlich ist/war (und natürlich noch vieles vieles mehr). Man sollte also den Shop-… ähhh… Museumsbesuch auf die zweite Tageshälfte legen, damit man die vollen Taschen sofort nach Haus in Sicherheit bringen kann.

Drumherum

Der Bereich rund um das Museum, der Covent Garden Market, ist schon ganz nett anzusehen und regt gar viele Touristen zum schlendern ein. (Vielleicht ist ja auch der eine oder andere Londoner darunter?) Allzu viele Menschen auf einem Haufen wiederum regen auch Nepper, Schlepper, Bauernfänger zur Sicherung ihres Lebensstandards an, also ist Vorsicht geboten, damit die wertvollen Bücher nicht verloren gehen. Wenn man die Underground Station Covent Garden für die Anreise nutzt, kann man eine Station bewundern, die sich fast noch im Ursprungszustand befindet. Damit meine ich nicht die Station selber, sondern die Reise an die Oberfläche mittels Fahrstuhl. Die Rolltreppe setzte sich erst ab 1920 durch. Viele Stationen wurden zwar umgebaut, aber eben nicht alle. In London gibt es noch die eine oder andere Station, die die ’neue‘ Technik nicht nutzt. Das Empfangsgebäude der 1907 eröffneten Station Covent Garden steht unter Denkmalschutz, wobei und das ist interessant es sich nur um den gekachelten Bereich handelt, das darüberliegende Haus wurde später hinzugefügt.

Das London Transport Museum findet sich an der Nordseite des Platzes. Das 1920 gegründete Museum zog 1980 in dieses Gebäude, das 1871 als Blumenmarkt eröffnet wurde. Noch einmal kurz zum Namen. Das Museum heißt nicht, wie man es umgangssprachlich aussprechen würde ‚Londoner Transport Museum‘ sondern wirklich ‚London Transport Museum‘. Wenn man es anders betonen würde, wäre schnell klar was und wie es gemeint ist. Wir haben hier das Museum der (ehemaligen Firma) ‚London Transport‘ vor uns, dem Vorgänger der ‚Transport for London‘ die heute den Verkehr der Stadt managt.

Gut, über Parkplätze müssen wir in London kein Wort verlieren. Also als nächstes die Fakten:

  • Öffnungszeiten:
    • täglich von 10 – 18 Uhr
  • Adresse:
    • London Transport Museum
      Covent Garden Piazza (south east corner)
      London
      WC2E 7BB
  • Website offiziell

Rundgang London Transport Museum

Ich will ehrlich sein, ein richtig gutes Gefühl hatte ich vor dem Museumsbesuch nicht. Das Wetter ließ auch nichts Gutes erahnen als ich dem Haus entgegenstrebte. Und mein Gefühl trog mich nicht. Es war einfach voll. Nicht das ich dem Museum das nicht gönne, gingen doch die Besucherzahlen von 2017 zu 2018 um gut 7,5% zurück (2018 354.000), aber für mich ist das nervig, steht doch jedem Foto mindestens ein Mensch entgegen. Vor allem in jeder Größe, Erwachsene, Jugendliche und vor allem hunderte Kinder in kleinen gelben Westen bevölkern das Museum. Wobei das nun auch wieder ganz lustig ist, sitzen die Kleinen doch dann in einem Nebenraum und veranstalten ihren Lunch.

Aber nochmal, wer hier einen vollständigen Abriss der Londoner Verkehrsgeschichte erwartet, wird enttäuscht. Thema der Ausstellung ist lediglich die, von den Londoner Verkehrsbetrieben verantwortete Verkehr, heißt Underground, Bus, Tram. Und damit beginnt die Ausstellung in der obersten Etage dann auch. Am Anfang war die Kutsche… die Omni bus Kutsche (Omni=für alle). Interessanterweise gibt es im englischen für Kutsche, Bus, Wagen, Wagon nur ein Wort – Coach! Ja, damit begann es, dem folgten die Untergrundbahnen. Von U-Bahn in dem Sinne konnte man in den 1860igern, aus heutiger Sicht noch nicht sprechen. Dampften die Züge doch noch eher in offenen Einschnitten in die City. (Eine Lokomotive aus dieser Zeit ist im Original zu bewundern) Erst als sich 20 Jahre später die Elektrizität in öffentlichen Bereichen durchsetzte, erschienen die ersten Straßenbahnen (1901) und die Eisenbahn konnte tief in der Erde verschwinden.

Ja, man hat versucht, alle Exponate schön in den Kontext zum jeweiligen Jahrhundert und dem Stand der Technik zu bringen. Das ist recht gut gelungen, obwohl natürlich wenig Platz vorhanden ist. Schade, das alles nur kurz angerissen werden kann. Gerade die Londoner Metro/U-Bahn/Underground hat eine interessante, erkundenswerte Geschichte. Sicher, alles ist so halbwegs vorhanden, selbst Fahrzeuge sind ausgestellt, aber trotzdem, es fühlt sich nicht richtig an, einfach zu wenig. (Wer mehr will, dem sei das Depot des Museums empfohlen. Mehr am Schluss des Beitrages)

Die imposante Anlagen und Fahrzeuge von ‚London Underground‘ sind eigentlich einen eigenen Beitrag wert. Nur soviel, es lohnt sich, mal ein wenig weiter aus der Stadt heraus zu fahren, finden sich dort architektonisch höhst Interessante Bahnhöfe. Über die Hälfte der 270 Stationen des 436 km Netzes liegen überirdisch. Das hört sich viel an, reicht heute nur noch für Platz 4 in der Welt. (zum Vergleich Berlin 173 Bahnhöfe / 146 km) Bei den Passagierzahlen reicht es für die Londoner nicht für die Top Ten, ’nur‘ 1,4 Milliarden nutzen die Bahnen im Jahr. (Berlin 560 Millionen / Moskau 2,4 Milliarden). Gut das täuscht jetzt ein wenig, da hier die S-Bahnen/Vorortbahnen in Berlin und London nicht berücksichtigt sind.

Zurück zum Museum. Die Schautafeln und Vitrinen zeigen in Kurzform Meilensteine der Entwicklung der Londoner Untergrundbahn. Auch finden sich Devotionalien aus dem Betrieb der Selbigen. Im weitern Verlauf finden wir noch Straßenbahnen, Busse und weiterer Oberflächenfahrzeuge des öffentlichen Nahverkehrs. Ein letzter auf die künftige Zielgruppe und schon stehe ich im Shop. Uhhhh…

Fazit

Natürlich ist das Museum eine Empfehlung. Aber man sieht auch sehr schön, was im Museumswesen heute so Mainstream ist. Nicht mehr das Exponat, die Geschichte steht im Vordergrund, sondern das Erlebnis, das Experience. Klar ist es das, was die Mehrheit sehen will, aber trotzdem ist es einfach zu glatt. Ein Vorschlag von mir, einfach einen Tag mit der U-Bahn fahren, durch die Gänge schlendern, mit den Rolltreppen fahren und dieses beklemmende Gefühl der Enge geniessen.

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