Wales

Nun kann man ja heute über Wales sagen, was man will, aber es hat sich in den letzten Jahrzenten so einiges getan in den tiefen Wäldern und an deren Rändern! Klar, wenn man mit dem Zug quer durch das Land fährt, ja sogar die ‚Heart of Wales Line‘ nutzt, stellt an fest, Wales hat nur zwei Sachen zu bieten hat. Wald und Schafe, Schafe und Wald! Das mag ein paar Kilometer interessant sein, aber, ich spreche da aus eigener Erfahrung, es ist auf die Dauer recht ermüdend. Von Shrewsbury bis Swansea ist der Zug ca. 4 Stunden unterwegs und mindestens zwei davon habe ich verschlafen…!

Keimzelle der industriellen Revolution

Aber gut, wer weiß heute noch, dass Wales mal eine der Keimzellen der industriellen Revolution war. Bergbau (Kohle, Eisenerz, Silber, Blei), Eisenhütten, Schieferabbau, deren Verarbeitung machten aus Wales ein bedeutendes Zentrum der Schwer- und Exportindustrie. Leistungsfähige Häfen halfen, die Produkte nicht nur in Großbritannien, sondern in alle Welt zu verteilen. Der Niedergang begann schleichend, unmerklich am Anfang des 20. Jahrhunderts und endete in den 80igern, als die letzte Kohlemine, das letzte Stahlwerk schloss. Spätestens da machte sich bemerkbar, wie einseitig die Industrie wirklich ausgerichtet war. Die 80iger waren eine schwierige Zeit für Großbritannien und Wales stand wohl damals nicht weit oben auf der Prioritätsliste von Frau Thatcher. Das sieht man gerade Städten wie Newport und Swansea heute noch an. Das ist nicht unbedingt die Bausubstanz, sondern man sieht mit wachem Blick, dass die Kaufkraft fehlt. (Newport – Swansea)

Doch eine Sache hat die walisische Regierung erkannt, mit Touristen kann man gerade in strukturschwachen Gebieten Wachstum schaffen. Und hier möchte ich ansetzen. Wales ist voll von Denkmälern. Nun interessieren mich Burgen und sowas nur mittelbar, aber auch technische Denkmäler gibt es zwar nicht zuhauf, aber es gibt sie… Eines der interessantesten findet sich in Newport! Die so genannte ‚Newport Transporter Bridge. Sicher, auch Newport ist keine Stadt, wo man unbedingt gewesen sein muss.

Newport und die Berge

Aber die Stadt hat einen Vorteil, der nicht zu verachten ist, zumindest nicht für mich. Die Brücke ist nur ‚ein‘ Highlight in dieser Gegend. Ganz in der Nähe findet sich die ‚Blaenavon Industrial Landscape‘ Dieses Gebiet gehört seit 2000 zum Weltkulturerbe und ist ein Beispiel einer walisische Industrielandschaft, wie sie im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert durch Bergbau und Eisenherstellung entstanden. Auf dem 3.290 Hektar großen Gelände befinden sich das Blaenavon Ironworks Museum sowie das Big Pit National Coal Museu die umgeben sind von Minen und Steinbrüchen, Produktionsstätten, Eisenbahnen, Kanälen, Arbeiterwohnungen und sozialer Infrastruktur. Auch hat hier die Pontypool and Blaenavon Railway (Blaenavon Steam Railway) ihr Domizil. In dieser Region wurde unter anderem der Grundstein für die industrielle Revolution in Großbritannien, die vor allem auf Eisen und Kohle basierte, gelegt. Der Besucher kann hier ein großartiges Stück Geschichte besichtigen. Unter anderem finden wir:

Big Pit National Coal Museum

Das Big Pit National Coal Museum ist ein Industriemuseum in Blaenavon, Torfaen, Wales. Das jetzige Besucherbergwerk Big Pit wurde 1810 als Eisenmine eröffnet. Erst ab 1880 wurde hier 100 Jahre lang Kohle gefördert. Es wurde als letzte Mine der Region 1980 stillgelegt und ist seit 1983 Museum unter dem Dach des Nationalmuseums von Wales. Mit Big Pit wird ein Denkmal der für Wales bedeutsamen Bergbauindustrie und deren Betrag zur industriellen Revolution erhalten.

Blaenavon Ironworks

Die 1789 gegründete Eisenhütte Blaenavon Ironworks ist ein Industriemuseum in Blaenavon, Wales. Die Hütte war eine der Triebfeder in der Entwicklung der Region vom eher ländlichen Charakter zu einem industriellen Standort. Ursachen hierfür waren die reichen, leicht abbaubaren und dadurch günstiger Mineralvorkommen in der Umgebung. Um 1800 trug die Eisenhütte wesentlich dazu bei, dass Südwales zum weltweit führenden Eisenproduzenten wurde. Mehr noch, die Blaenavon Ironworks waren von entscheidender Bedeutung bei der Weiterentwicklung der Stahlerzeugung, hier wurde das „Thomas-Verfahren“ entwickelt. Die Hütte wurden 1904 stillgelegt, 1974 begann die Sicherung der vorhandenen Bauten und der Aufbau des Museums.  

Pontypool and Blaenavon Railway / Blaenavon Staem Railway

Die Pontypool and Blaenavon Railway ist eine normalspurige Museumsbahn in Südwales. Die Strecke ist 5,6 km lang. Die Züge verkehren zwischen den Stationen Whistle Inn Halt und Blaenavon High Level mit einem Abzweig zum Big Pit. Die Strecke ist die höchste erhalten gebliebene Normalspurstrecke in UK. 1869 erbaut, diente die Strecke dem Abtransport der Kohle in die Häfen der nahen Walisischen Küste und in Richtung Midlands. Mit der Einstellung des Personenverkehrs 1941, begann die schrittweise Stilllegung der Strecke, der sich bis 1980 hinzog. Seit 1983 wird die Bahn als Museumsbahn betrieben.

Die Museen von Blaenavon und die Blaenavon Steam Railway erreicht man leider nur mit dem Linienbus von Newport (längere Wege zu Fuß einplanen). Mit dem Auto geht es natürlich besser. Das gilt auch für die Newport Transporter Bridge. Hier wäre ein ca. 20 minütiger Fußmarsch erforderlich. Aber das geht schon…!

Newport Transporter Bridge

Wenn man vom Bahnhof Newport Richtung Brücke geht stellt wann schnell fest, was in Newport nicht stimmt. Ein ‚One-Pfund‘ Laden löst den nächsten ab, natürlich unterbrochen von Telefonläden…! Egal, böse gucken und durch. Dann ist die Brücke erreicht. Wow, so was sieht man nicht so oft. Eine Schwebefähre! Weltweit sind heute von dieser Bauart nur noch 8 Stück (von 18) in Betrieb. Die Newport Transporter Bridge ist zwar nicht die Älteste, dafür aber die Größte. Hier mal die noch existierenden Bauwerke nebst weiterführender Informationen nach Spannweite sortiert:

Da die Brücke heute nur noch eingeschränkte Aufgaben im öffentlichen Verkehr hat, sind auch die Betriebs- bzw. Öffnungszeiten eingegrenzt.

  • Öffnungszeiten: 01. April – 30. September, Mittwoch – Sonntag 10-17 Uhr
  • Adresse: Stephenson St, Newport NP20 2JG, Vereinigtes Königreich
  • Website offiziell 

Schwebefähre

Was ist denn eigentlich eine Schwebefähre? Natürlich schwebt die Fähre nicht, sondern hängt an einer Art Brücke. Die Höhe der Brücke ist abhängig von der Durchfahrtshöhe der passierenden Schiffe. Wozu braucht es eine solche, auf den ersten Blick recht komplizierte Konstruktion? Diese Lösung wird im Normalfall an Stellen eingesetzt, wo durch hohen Tidengang ein Fährschiff nicht in Frage kommt und eine Brückenlösung (Klapp- oder Drehbrücke) zu teuer ist. Bei festen Brücken müssen entsprechend der durchfahrenden Seeschiffe lichte Höhen eingehalten werden. Daraus ergeben sich teilweise recht lange Auffahrtrampen. Im Zeitalter der Massenmobilität sind aber Schwebefähren, ähnlich ‚richtiger‘ Fähren zum Flaschenhals geworden. Heute werden richtige Brücken gebaut, auch wenn ein längerer Anfahrtsweg erforderlich ist.

In Newport war es wohl vor allem der recht große Tidenhub des Usk (im Durchschnitt ca. 10m), der zum Bau der Schwebefähre führte. Die Schwebefähre macht ihrem Namen im Betrieb alle Ehre. Nicht nur vor dem Hintergrund des schlammigen Wassers, auch die Ruhe, mit dem sich das Gefährt bewegt, gefällt.

Es gibt ein kleines Museum, das in die Geschichte der Brücke einführt, auch kann man das Maschinenhaus besichtigen und die Brücke selbst besteigen….oder einfach mal hin und zurück schweben!

Fazit

Wenn man in der Nähe ist, gehört die Newport Transporter Bridge auf jeden Fall auf den Plan. Es ist schön, das Geld für den Erhalt dieses technischen Denkmals bereitgestellt wird. Einen kleinen Hinweis noch, es gibt in Großbritannien noch eine zweite Schwebefähre, nur unwesentlich kleiner, aber auch sie ist noch in Betrieb. Sie befindet sich in Middlesbrough an der Nordsee. Das ist auf halben Weg zwischen York und Newcastle. Apropos Nordsee, am deutschen Nord-Ostsee-Kanal in Rensburg gab es auch eine Schwebefähre, die an die dort kreuzende Eisenbahnbrücke angehängt worden war. Leider ist sie Anfang 2016 bei einem Unfall beschädigt und danach stillgelegt worden. Aber es gibt zumindest einen Plan die Fähre wieder in Betrieb zu nehmen. Doch wie das in Deutschland so ist…frühestens Anfang 2021! Na warten wir mal ab… Wo ist eigentlich immer das Wasser…?

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