Buchreihe Transpress Verkehrsgeschichte

1978 begann der transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, die Buchreihe Transpress Verkehrsgeschichte zu verlegen.

Bis 2003 wurden in dieser Reihe 61 Bände in teilweise bis zu 3 Auflagen veröffentlicht.

Über 85% der Bücher beschäftigen sich mit einzelnen Eisenbahnstrecken bzw. -netzen.

Die Bücher sind in allen Qualitäten z.B. über die Plattform ZVAB erhältlich.

Der Transpress Verlag

Der Transpress VEB Verlag für Verkehrswesen wurde 1960 gegründet. Das Verlagsangebot umfasste Bücher zu den Themengruppen: Verkehrswesen; Eisenbahn; Modelleisenbahn; Schifffahrt; Kraftverkehr; Straßenwesen; Modellsport; Luft- und Raumfahrt; Post- und Fernmeldewesen; Philatelie; Numismatik.. Einen großen Anteil machten hierbei Lehrbücher, Monografien und Lexika aus. 1991 übernahmen die Paul Pietsch Verlage den Verlag und verlegten ihn 1996 nach Stuttgart. Seither konzentrieren sich die Veröffentlichungen auf die Eisenbahn Literatur.

Beginn der Reihe

Beginnen wir mit einer Vision, zumindest der Vision, die die Verantwortlichen des transpress Verlages vor Augen hatten, als sie das erste Buch der Reihe veröffentlichten (Text auf der Rückseite):

„Die Harzquer- und Brockenbahn“ ist der erste Titel einer neuen Buchreihe des transpress VEB Verlag für Verkehrswesen. In dieser Reihe sollen in lockerer Folge mehr oder minder umfangreiche Schriften über einzelne Eisenbahnstrecken, über Eisenbahnnetze, über Eisenbahnbauten, Lokomotivbaureihen, über Straßenbahnen erscheinen. Darüber hinaus widmen wir uns der Fliegerei überhaupt, Episoden aus der Geschichte der Schifffahrt.

Die Autoren sind meist Amateurhistoriker aus den zahlreichen Interessengemeinschaften, die sich der Verkehrsgeschichte widmen. Als nächste Titel sind vorgesehen die Geschichte der Spreewaldbahn, die Geschichte der Kleinbahnen der Altmark und die Geschichte des Flugplatzes Berlin-Johannisthal sowie die Geschichte der Lokomotivbaureihe 01.

Hehre Ziele, so meine ich. Ob der Verlag damit gerechnet hat, das die Reihe dereinst 61 Bände umfasst? Das sie 25 Jahre laufen wird, ja teilweise heute, nochmal 17 Jahre später, im Buchhandel verfügbar ist? Ich würde das verneinen, niemand denkt am Anfang über das Ende nach. Der Erfolg der Reihe in der DDR hat meiner Ansicht nach zwei Hintergründe. Der offensichtliche Grund ist das gesteigerte Interesse nach Eisenbahnliteratur in den späten 70iger und 80iger Jahren. Die Eisenbahn war nicht nur mehr Transportmittel, sondern wurde mit dem Ende der Dampflokära auch immer mehr zum Hobby. Dies wurde vom Staat mit gar nicht geringen Mitteln gefördert. Brot hatte man sich erarbeitet, nun folgten die Spiele. (Und, nein, es hat in der DDR keiner Hunger leiden müssen!) Aber es gab einen weiteren Grund. Mit diesen Büchern ließen sich auch dringend benötigte Devisen erwirtschaften. Zeitgleich oder mit kurzen Abstand wurden die Bände auch in Westdeutschland veröffentlicht. Innerhalb seiner Reihe ‚Kleine Verkehrs-Geschichte‘ publizierte der Düsseldorfer Alba Verlag die Publikationen. (Ich habe nicht überprüft, ob das alle betraf und wie lange die Zusammenarbeit ging)

Schauen wir nochmal auf die Zielstellung des Verlages. Spreewaldbahn und Geschichte der Kleinbahnen in der Altmark waren, wenn auch in einem geänderten Format die folgenden Bände. Aber der Flugplatz Berlin-Johannisthal wurde zu keinem Thema, die Geschichte der Baureihe 01 folgte zwar, jedoch nicht in dieser Reihe. Überhaupt überwiegen die Eisenbahnthemen mit gut 85%. Erst der Band 21 behandelt das erste Nichteisenbahnthema. Die Fliegerei ist mit nur einem Buch vertreten, die Schifffahrt mit ganzen 3. Aber alles in allem, sind für die meisten sowieso die Beiträge zur Eisenbahngeschichte am interessantesten.

Das Layout

Wenn man den ersten Band ausklammert, haben alle Ausgaben das gleiche Format. Bis 1990 herrschte, von drei Ausnahmen abgesehen, das allbekannte Schwarz auf dem Einband vor. Wobei die ersten Bände in ihrer ersten Auflage noch als Hardcover daher kamen, bevor dann, ich glaube ab Band 8 auf Paperback umgestellt wurde. Vielleicht verkaufte man dies als Papierersparnis, aber ich glaube, der Hauptgrund war, das es in diesen Jahren schick und modern war, ein Buch als Paperback zu gestalten. Nach der 1991 erfolgten Übernahme des Transpress Verlages durch den Pietsch Verlag änderte sich das Layout von schwarz auf orange/weiß. Nach dem erfolgten Umzug des, weiterhin als Transpress Verlag firmierenden Unternehmens nach Stuttgart, kam es zu einer weiteren Änderung des Layouts. Nun war der Einband weiß, mit orangen Kontraststreifen. Die letzten Bände sind nun auch wieder als Hardcover veröffentlicht worden. Von den Änderungen des äußeren Erscheinungsbildes sind natürlich auch die Nachauflagen ältere Titel betroffen.

Innen hat sich bis zur Übernahme durch Pietsch nichts geändert, relativ kleine Schrift, die Abbildungen in schwarzweiß. Das war insofern nicht schlimm, da man dadurch umfangreichere Texte unterbringen konnte. Was die Bilder betraf, handelte es sich bei den Aufnahmen meist um historisches Material und die waren sowieso in schwarzweiß. Auch ist zu bemerken, das der Farbdruck in den 80igern noch nicht die Qualität erreichte, die wir heute kennen. (das war nicht nur im Osten so, auch Westdeutsche Bücher aus dieser Zeit kommen hier nicht unbedingt besser weg) Nach 1991 veränderte sich auch das Layout im Inneren. Die Schrift wurde größer, somit nahm auch die Länge der Texte ab. Der Farbdruck hielt Einzug. Zuerst mit einem Farbbilderteil, später dann auch mit farbigen Aufnahmen innerhalb des Textes. Noch farbenfroher wurde es zum Ende hin, nun waren auch die Überschriften farbig (Blau).

Inhalte

Bis 1989 wurden nur Themen aufgegriffen, die das Gebiet der DDR betreffen. Einzige Ausnahme bildet der Band ‚Die Überschienung der Alpen‘ und das gleich in dreifacher Hinsicht. Das die Alpen nicht in der DDR liegen, ist klar, aber es handelt sich hier um ein Reprint und um eine Lizenzausgabe dazu. Nach der Übernahme durch die Pietsch Verlage verteilten sich die Themen ausgewogen auf das gesamte Inland. Nun erschienen auch, ohne die Bahnen und Strecken aus den Augen zu verlieren, vermehrt Bände, die allgemeine Themen (Rübenbahn, Wendezüge, Signale etc.) beinhalteten.

Die Texte sind allesamt bis ins letzte Detail recherchiert und in einem, auch für den Laien sehr leicht zu lesenden, verständlichen Stil verfasst. In der DDR bezeichnete man dies als ‚populärwissenschaftlich‘, heute sagt man ‚Flesch-Reading-Ease‘ dazu. So etwas konnte man als Autor natürlich nicht so nebenbei erreichen. Die Familie Preuß z.B. hat mit 10 Bänden zum Erfolg der Reihe beigetragen. Erich Preuß war dem Transpress Verlag lange Zeit treu, hat hier, auch einige gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder, bis zu seinem Tod 2014 unzählige Bücher veröffentlicht. Ich wollte schon sagen, die anderen Autoren kenne ich nicht, was aber so nicht stimmt! Einen kannte ich sogar persönlich, Horst Regling. Der hat mit seinem Spezialgebiet ‚Bahnen rings um Berlin‘ und ‚Deutsche Reichsbahn‘ an vier Büchern mitgearbeitet, weitere Werke sind außerhalb dieser Reihe entstanden. Hier war es so, das er die Mehrzeit, die ihm durch seine Pensionierung zur Verfügung stand, zum recherchieren und Bücher schreiben genutzt hat. Leider habe ich die Familie Regling vor vielen Jahren aus den Augen verloren (ja sowas passiert) Trotzdem, auch wenn sie das hier niemals lesen wird… Grüße an Heike!

Erscheinungsweise

Vorweg möchte ich feststellen, dass ich an dieser Stelle nur auf die Erstauflagen eingehen kann/will. Die Veröffentlichungen erfolgten recht regelmäßig. Nachdem in den Jahren 1979 und 1980 nur jeweils zwei Bände erschienen, folgten in den Jahren danach regelmäßig drei Teile. 1986 bzw. 1987 kamen dann sogar deren fünf. In den zwei letzten Jahren der DDR gab es keine neuen Bücher der Reihe, erst 1990 wurden noch zwei Teile nachgelegt. Zwei Jahre nach der Übernahme des Transpress Verlages durch Pietsch ging es zaghaft wieder mit einer Veröffentlichung 1993 und 1994 los, um sich 1995 auf zwei und 1996 dann auf sechs Neuerscheinungen zu steigern. Nach 1997 nahm die Regelmäßigkeit ab, mal waren es drei Bücher pro Jahr, mal vier, mal gar keine, dann wieder sechs, um dann in 2002 und 03 mit je zwei Teile das Ende einzuläuten. Ab 2004 gab es unter der Bezeichnung Transpress Verkehrsgeschichte keine Neuerscheinungen mehr!

Preise

Den Preis erwähne ich nur, da er für DDR und deren Buchhandel ein Kuriosum darstellte. Normalerweise war ja alles irgendwie reguliert. Auch im Transpress Verlag war das so, gleiche Größe oder Reihe kostete auch dasselbe. Nur bei der hier beschriebenen Reihe war das anders. Das fing bei 6,20 Mark beim ersten Band 1978 an, die ‚Spreewaldbahn‘ brauchte es auf 1 Mark 50 mehr. Das teuerste Buch der Serie war mit 16,80 Mark der 1986 erschiene Band ‚Harzquer- und Brockenbahn‘. Alle bis 1990 erschienenen Bücher lagen seitenabhängig bei einem Preis im Bereich zwischen 10 und 17 Mark. Von anfänglich ca. 15 Pfennig stieg der Preis über die Jahre auf ungefähr 16 Pfennig pro Seite, hab ich errechnet. Wie sich die Preise nach 1990 entwickelt haben, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen. Interessant ist der antiquarische Preis. Hier wird heute in Euro mehr verlangt, als der Neupreis in Mark der DDR betrug.

Alle Bände (?) 1978 – 2003

Ich gehe einfach mal davon aus, das ich jetzt wirklich alle Bände verzeichnet habe. Wie ich weiter oben schon beschrieben, habe ich nur die erste Auflage eines jeden Buches genutzt, um eine Zuordnung zu darstellen zu können. Es war komplizierter als ich dachte, diese Bibliographie zu erstellen. Meine Idee, das die Staatsbibliothek alle Bände haben müsste, hat sich nicht erfüllt. (Hier sind nur um die 50 Bände verzeichnet) Ich selbst besitze 30 Bände, den Rest habe ich mir über die Antiquariatplattform ZVAB bzw. eBay, Amazon und ganz einfach über Google erarbeitet.

Die Anfänge als Hardcover 1979 – 1981

Die SpreewaldbahnPreuß, Erich1979
Kleinbahnen der AltmarkList, Wolfgang1979
Die SelketalbahnZieglgänsberger, Gerhard1980
Schmalspurbahnen der OberlausitzPreuß, Reiner1980
Die Muldenthal-EisenbahnBerger, Manfred1981

Die Blüte Jahre in Paperback 1981 – 1987 die Bahnen

Die Sonderbände 1983 – 1990

Die Leipzig-Dresdner Eisenbahn-CompagnieBecher, Udo1981
Pionier- und AusstellungsbahnenArndt, Gerhard1981
Die Franzburger KreisbahnenKieper, Klaus1982
Die RübelandbahnSteinke, Werner1982
Die WindbergbahnSchubert, Jürgen1982
Die Überschienung der AlpenSchweiger-Lerchenfeld, Amand 1983
Steilrampen über den Thüringer WaldGrüber, Walter1983
Über den Rennsteig. von Sonneberg nach ProbstzellaBeyer, Wolfgang1983
Die Rügenschen KleinbahnenKlaus Künemann; Klaus Kieper1983
Die Brandenburgische StädtebahnMenzel, Walter1984
Die Mecklenburg-Pommersche SchmalspurbahnMachel, Wolf-Dietger1984
Schmalspurbahnen zwischen Spree und NeißeJünemann, Klaus1984
Der Bayerische Bahnhof in LeipzigBayer, Rolf1985
Die MüglitztalbahnPreuß, Reiner1985
MS SpreeBreuer, Manfred1985
Brücken gestern und heuteBernhard, Walter1986
Die Eisenbahnen in MecklenburgSchultz, Lothar1986
Die Harzquer- und BrockenbahnRöper, Hans1986
Die ThüringerwaldbahnBlickensdorf, Bernd1986
Straßenbahnen in Karl-Marx-StadtMatthes, Heiner1986
Berlin und die Märkischen WasserstraßenUhlemann, Hans-Joachim1987
Das Bahnbetriebswerk zur DampflokzeitPeter Koehler; Wolfgang List1987
Die Saal-Eisenbahn und ihre AnschlußbahnenDrescher, Werner1987
Die Schmalspurbahn Gera-Pforten-Wuitz-MumsdorfFranz, Dietmar1987
TauchfahrzeugeGierschner, Norbert1987
Eisenbahnen in AfrikaCzepuck, Harri1990
Luftfahrt zwischen Ostsee und BreitlingKoos, Volker1990

Paul Pietsch Verlag – Transpress Verlag Berlin 1993 – 1996

Die Halle-Kasseler EisenbahnLauerwald, Paul1993
Die Eisenbahn durchs HöllentalFreese, Jens1994
Die OderbruchbahnMeyer, Lothar; Regling, Horst 1995
Hannovers StraßenbahnenFranke, Jutta1995
Deutsche Kriegslokomotiven : 1939 bis 1945Gottwaldt, Alfred B.1996
Die AmmerseebahnJanikowski, Andreas1996
Die Berlin-Stettiner EisenbahnGrusenick, Morlok, Regling1996
Stellwerke deutscher EisenbahnenPreuß, Erich1996

Paul Pietsch Verlag – Transpress Verlag Stuttgart 1997 – 2003

Die Ludwigs-Süd-Nordbahn Kuchinke, Stephan1997
Die Strassenbahn der Berliner Verkehrs-Betriebe  Hilkenbach, Sigurd, Wolfgang Kramer1997
Die Bayerische ZugspitzbahnPreuß, Erich1997
Die WieslaufbahnEbinger, Albrecht1998
Liliputbahnen in Parks und GärtenArndt, Gerhard Arndt, Ursula1998
Die Wriezener BahnRegling, Horst1998
Signale deutscher EisenbahnenPreuß, Erich1998
Die Eisenbahn im Gaswerk StuttgartZeh, Harald1999
Die Zittau-Oybin-Johnsdorfer EisenbahnPreuß, Reiner1999
Die Angermünde-Stralsunder EisenbahnGrusenick, Morlok, Regling1999
Die Niederbarnimer EisenbahnPreuß, Erich2001
Die SchwarzwaldbahnScherff, Klaus2001
Diesel- und E-Loks im BahnbetriebswerkKratzsch-Leichsenring, Michae2001
WendezügePreuß, Erich2001
RübenzügeKramer, Urs und Bruno Schötz2001
Die Westfälische Landes-EisenbahnHaucke, Karlheinz2001
StellwerkePreuß, Erich2002
TrümmerbahnenScherff, Klaus2002
Der MolliSchultz, Lothar2003
Alweg-BahnKrischer, Reinhard2003

Fazit

Natürlich ist diese Buchreihe eine klare Empfehlung von mir. Muss man denn nun alle Bände haben? Nein, natürlich nicht. Aber so ein paar…vielleicht! Andererseits gibt es aber auch nichts Besseres, so man sich für eine Bahn interessiert oder sie besucht. Ja, sicherlich gibt es heute buntere Bücher, aber sind die besser? Das sollte jeder selbst herausfinden. Ich sage… jein! Der heutige Transpress Verlag liefert leider nur noch in Ausnahmefälle die Qualität, die man aus den ‚VEB‘ Tagen kennt. Aber gibt es Nachfolger? Naja, ich hätte hier sicherlich an erster Stelle den ‚VBN Verlag Bernd Neddermeyer‘ gesehen, aber wie ich gelesen habe, ist Herr Neddermeyer in Pension gegangen. Hier wird es also, wenn überhaupt, nicht mehr viel Neues geben. Für die erschienenen Werke werden, obwohl teilweise noch lieferbar, astronomische Preise verlangt. Bleibt noch der EK-Verlag. Ich kann mich täuschen, aber dieser Verlag liefert heute noch die qualitativ hochwertige Eisenbahnliteratur, die man sich wünscht.

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