Die Lokomotiven der chinesischen Eisenbahnen

Das Werk 中国铁道机车 Die Lokomotiven der chinesischen Eisenbahnen wurde 1987 im Birkhäuser Verlag in Zusammenarbeit mit dem Chinese Railways Publishing House veröffentlicht.

Den Autoren ist es hier gelungen eine doch sehr umfassende historisch technische Dokumentation über die Lokomotiven der chinesischen Eisenbahn zu veröffentlichen.

Meine Meinung:

Was habe ich so ein Buch gesucht! Ein einfaches Buch über die Geschichte und die Fahrzeuge der chinesischen Eisenbahn. Sicher, es gibt viel Bücher über die Eisenbahn im Reich der Mitte, doch die meisten thematisieren eher Reisen in das Dampflokparadies (das es sicherlich mal war) mit entsprechenden Fotobänden! Ja, auch nicht schlecht, aber die darin enthaltenen Informationen basieren doch eher auf Hörensagen und wollen mit schönen Bildern beeindrucken. Das vorliegende Buch beeindruckt vor allem mit einem, Detailtreue bis zur kleinsten Schraube. Es ist wirklich ein erstaunliches Werk. Hier haben die chinesischen Autoren nicht nur die Geschichte ihrer Eisenbahn in allen Facetten dargestellt, sondern sind auch auf jede Lokomotive, die bis zum Erscheinungsjahr über Chinas Schienen rollte eingegangen. Es werden die Vor- und Nachteile jeder Baureihe aus technischer und betrieblicher Sicht aufgezeigt, aber, und das ist nicht verwunderlich für ein Buch aus dieser Zeit, auch die politischen Aspekte nicht vergessen. Ja, von Kulturrevolution und Viererbande (beide 1987 schlecht) bis Mao und diverse Eisenbahnminister (alle gut) wird alles angeschnitten. Es wird auch überhaupt kein Hehl daraus gemacht, dass importierte Produkte im Land verbessert wurden. Hier mal ein kurzer beeindruckender Ausschnitt (es geht hier um hydraulisch angetriebene Diesellokomotiven, eine Spezialität der Deutschen:

Unserer Ansicht nach kann eine große Menge Kupfer durch die Anwendung der hydraulischen Kraftübertragung eingespart werden, weil dabei die Fahrmotoren entfallen, deren Leistung zweimal so groß wie die des Dieselmotors ist. Kupfer ist sehr knapp auf der Welt. Bei der Herstellung erfordern die mechanischen Bauteile der hydraulischen Übertragung eine größere Präzision. Aber die Chinesen sind auf dem Gebiet des Kunsthandwerks sehr begabt. Es gibt in China viele tüchtige und geschickte Handwerker für Schnitzerei und Stickerei. Mit Hilfe der ‚tüchtigen und geschickten Handwerker‘ kann die vorübergehend nicht so große Präzision der Werkzeugmaschinen vervollkommnet werden. … Inzwischen wurden Diesellokomotiven der Baureihen NY5, NY6 und NY7 aus der Bundesrepublik (Thyssen-Henschel) eingeführt, die der Chinesischen Eisenbahn als Beispiel bei der

Das lassen wir jetzt mal unkommentiert so stehen. Es ist doch klar, das in diesem Buch aus dieser Zeit der politische Kontext nicht fehlen darf. Ich finde das nicht schlimm, zumal es einfach dazu gehört. Um so erstaunlicher ist eigentlich, das der Birkenhäuser Verlag zum Zeitpunkt der Veröffentlichung zum, na sagen wir mal, zum eher konservativen Springer Verlag gehörte. Aber das ist ja heute auch nicht anders, die Konservativen (CDU/CSU) sind ja auch die besten Freunde der chinesischen Regierung.

Okay, noch was Interessantes, in vielen Kulturen wird ja wert auf Symbolik gelegt, das ist in China nicht anders. Auch hier mal ein Zitat, da ich es nicht besser wiedergeben kann:

Die neue chinesische Eisenbahn ist die Eisenbahn des Volkes. „Dem Volk dienen“ ist ihr einziger Grundsatz. Kurz nach der Gründung der Volksrepublik wurde das Eisenbahnzeichen konstituiert, das die Volkseisenbahn symbolisiert. Der obere Teil des Symbols ist eigentlich das chinesische Schriftzeichen „Menschen“, nämlich das Volk, der untere Teil „J“ ist eigentlich das Schienenprofil, und zwar die Strecke. Beide zusammen bedeuten „Volkseisenbahn“. Das ganze Bild sieht auch wie die Stirnseite einer Dampflokomotive aus. Das Abzeichen symbolisiert die Volkseisenbahn, und Minister Teng Daiyuan praktiziert auch den guten Arbeitsstil „mit Leib und Seele dem Volke dienen“ beim Eisenbahnwesen. Im Jahr 1983 stellte das Ministerium für das Eisenbahnwesen wieder die Losung „Volkseisenbahn für das Volk“ auf, um den guten Arbeitsstil bei der Eisenbahn wiedereinzuführen, der durch die „Viererbande“ zerstört wurde. Zugleich war das auch eine wichtige Maßnahme für die Beseitigung des seit hundert Jahren hinterlassenen schlechten Stils des „eisernen Yamens“ (Gerichts und Amtssitz im feudalen China).

Naja… um das Symbol zu erkennen, muss man schon recht viel Fantasie aufbringen (Volk/Mensch = 人). Aber gut… Was in diesem Absatz auffällt, hier werden zwei unterschiedliche Zeit Horizonte zusammen geführt. Einmal die Gründung der Volksrepublik (nebst Eisenbahn des Volkes) und dann das Ende der Kulturrevolution (1976?) nebst Beurteilung derselben durch Deng Xiaoping 1981. Aber das ist alles schon so lange her.

Zusammenfassend kann ich dieses Buch nur empfehlen. Der Leser erhält umfassende Informationen über die Entwicklung der Eisenbahn in China bis Mitte der 80iger Jahre. Ich würde mir eine Fortsetzung wünschen, die die doch gravierenden Änderungen und Investitionen der letzten 40 Jahre beleuchtet.

  • Titel: 中国铁道机车 Die Lokomotiven der chinesischen Eisenbahnen
    • Hardcover, 196 Seiten
  • Autoren: Zhou Xiaobiao, Huang Zhongyi, Li Jiangtian, Zhao Qi, Bearbeitung Wolfgang Stoffels
  • Verlag: Birkhäuser Verlag Basel, Boston, Stuttgart 1987; in Coproduktion mit China Railways Publishing House

BEWERTUNG:

Bewertung: 5 von 5.

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